Nordkorea:Zahme Drohung aus Pjöngjang

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Wie Nordkoreas Diktator routiniert mit Krieg spielt.

Von Christoph Neidhart, Tokio

In seiner traditionellen Neujahrsbotschaft hat der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un dem Süden Gespräche angeboten, Seoul allerdings auch vorgeworfen, das Misstrauen zwischen den verfeindeten Bruderstaaten zu vergrößern. Als erste Priorität versprach der 33-Jährige eine Verbesserung des Lebensstandards der Nordkoreaner. "Wir müssen einen Umschwung in der Wirtschaft schaffen," sagte Kim Jong Un. Die Neujahrsbotschaft gilt als wichtigste programmatische Erklärung der Arbeiterpartei Nordkoreas, anders als sein Vater Kim Jong-il, der die Öffentlichkeit scheute, hat der junge Kim die 30-minütige Erklärung auch heuer selber im Fernsehen verlesen.

Das Verhandlungsangebot an den Süden gehört zum Ritual der Neujahrsbotschaft; er machte es nur einen Tag nach der Beerdigung seines Vertrauten Kim Yan-gon, dem Chef-Unterhändler mit Südkorea, der bei einem Autounfall ums Leben kam. Am seinem Sarg vergoss Kim öffentlich Tränen.

Nordkorea knüpft das Gesprächsangebot an den Süden auch dieses Jahr an die Bedingung, Seoul müsse ernsthaft und ohne Vorbedingungen verhandeln. Im August hatten die beiden Koreas einen neuen Anlauf zu Verhandlungen genommen, doch hochrangige Gespräche im Dezember endeten ohne jegliche Vereinbarung. Pjöngjang wirft dem Süden derzeit vor, er rede von einer Wiedervereinigung ganz zu seinen Bedingungen. Wenn die Souveränität des Nordens von "Aggressoren und Provokateuren auch nur berührt wird, dann werden wir nicht zögern, mit einem gnadenlosen heiligen Krieg für Gerechtigkeit und die nationale Wiedervereinigung zu kämpfen", sagte der sogenannte "Oberste Führer der Partei, der Streitkräfte und des Volkes".

Trotz dieser Kriegsrhetorik muss Kims Ansprache als zurückhaltend gewertet werden. Sie enthielt kaum Hinweise auf neue Politik-Initiativen. Kim verzichtete auf Drohungen mit Nordkoreas Atomprogramm, er erwähnte es gar nicht, zählte aber einige konventionelle Rüstungsprogramme auf. Experten erwarten für 2016 wenig Bewegung zwischen den beiden Koreas, die konservative südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye hat bisher wenig Interesse an einem Ausgleich mit Pjöngjang gezeigt. Erfahrungsgemäß suchen Südkoreas Präsidenten den Dialog mit dem Norden erst in ihrem letzten Amtsjahr, das wäre im Fall von Frau Park 2017.

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