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Nordkorea:Chinas globaler Anspruch

Präsident Xi fordert beim Staatsbesuch in Pjöngjang den Abbau der Sanktionen gegen Nordkorea.

Peking beansprucht im Entspannungsprozess um Nordkorea fortan eine Führungsrolle. Das erklärte Chinas Präsident Xi Jinping, der zum Staatsbesuch in Pjöngjang weilt, im Vorfeld seiner zweitägigen Reise in einem Leitartikel, den Nordkoreas Parteizeitung Rodong Sinmun veröffentlichte.

Xi wurde am Donnerstag gegen Mittag am Sunan-Flughafen von 10 000 blumenschwingenden Nordkoreanern empfangen. Dann fuhr er mit Machthaber Kim Jong-un und den Gattinnen der beiden in einer offenen Limousine zum Kumsusan-Palast, dem Mausoleum von Kims Vater und Großvater. Dort führten Kim und Xi erste Gespräche, über deren Inhalt allerdings nichts bekannt ist.

Nun heißt es Flagge zeigen: Zwei Männer begrüßen den hohen Gast aus China in Pjöngjang.

(Foto: Ed Jones/afp)

Ein Leitartikel eines chinesischen Staatschefs in Rodong Sinmun, das dürfte es noch nie gegeben haben. Xi versicherte darin, China unterstütze Kims Bemühen um "Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel" und habe Verständnis für seine "vernünftigen Anliegen". Letzteres meint Pjöngjangs Forderung, eine stufenweise Abschaffung des Atomprogramms sollte mit dem schrittweisen Abbau von Sanktionen belohnt werden. Die USA dagegen halten, zumindest offiziell, bisher an der Forderung einer kompletten, überprüfbaren Denuklearisierung fest, bevor die Sanktionen gelockert würden. Allerdings lag schon in Hanoi ein Plan zur schrittweisen Atomabrüstung auf dem Tisch.

Xi ist der erste chinesische Präsident seit 14 Jahren, der zu Besuch in Nordkorea ist

Wenn Xi nächste Woche am G20-Gipfel im japanischen Osaka US-Präsident Donald Trump trifft, will er ihm einen neuen Vorschlag zur Entspannung auf der koreanischen Halbinsel vorlegen können. Damit würde er einerseits eine globale Schlüsselrolle für China beanspruchen, andererseits hätte er im Streit um Trumps Zölle einen Joker in der Hand. Xi wolle die "nordkoreanische Karte" spielen, so die Tageszeitung Hankyoreh in Seoul.

Xi ist der erste chinesische Präsident seit 14 Jahren, der Nordkorea besucht. Die Einladung lag ihm schon lange vor, aber die Regierung in Peking hielt Kim lange auf Distanz - erst als Prinzling einer Erbdiktatur, der sie nicht traut, dann wegen Kims Säuberungen der China-Fraktion im Regime und schließlich wegen seiner Atom- und Raketentests. Das änderte sich erst mit Kims Kurskorrektur vor anderthalb Jahren. Seither hat Xi den Nordkoreaner viermal empfangen, so im Vorfeld seiner Gipfel mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in und mit Trump. Dabei hat ihm Peking allerdings zu verstehen gegeben, dass er als Klient kam.

Nach Kims gescheitertem Treffen mit Trump Ende Februar hatte Xi keine Zeit für ihn. Jetzt aber sieht er den richtigen Moment gekommen. Die USA und Nordkorea haben sich verkeilt, Seoul ist unter dem Druck der Amerikaner gelähmt, und der G20-Gipfel verspricht, zum Showdown zwischen Xi und Trump zu werden. Die bilateralen Themen, über die Xi und Kim sprechen, sind für den Chinesen zweitrangig. Er greift nach einer weltpolitischen Schlüsselrolle.