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Demonstrationen in Nigeria:Protest gegen eine tödliche Polizeitruppe

Nicht nur in Nigeria selbst, auch im Ausland (wie hier in Südafrika) gehen Nigerianer derzeit auf die Straßen und fordern unter dem Schlagwort "#EndSARS" ein Ende der Polizeigewalt.

(Foto: AP)

Für 82 Fälle von Folter, Misshandlung und Hinrichtung soll die nigerianische Elite-Polizeieinheit SARS verantwortlich sein. Seit zwei Wochen begehren die Menschen nun auf. Und auch Prominente wie Beyoncé solidarisieren sich.

Von Anna Reuß

Ein Video zeigt Hunderte junge Frauen und Männer. Es ist bereits dunkel, Abstand hält niemand, auch trägt kaum einer eine Maske. Viele von ihnen schwenken die nigerianische Flagge oder recken ihre Hand mit ihrem Smartphone in die Luft. Die Szenen könnten so auch am Rande eines Fußballspiels gefilmt worden sein. Doch dies sind keine Fans: Tausende protestierten in der nigerianischen Metropole Lagos in der zweiten Woche in Folge gegen Polizeigewalt.

Am Dienstagabend sollen nach noch unbestätigten Berichten zahlreiche Menschen verletzt und getötet worden sein. Es war der vorläufige Höhepunkt der Proteste. Die Polizei rief daraufhin eine 24-stündige Ausgangssperre in Lagos aus. Präsident Muhammadu Buhari bat am Mittwoch in einer Erklärung die Nigerianer um Verständnis und Geduld. Die von ihnen geforderte Polizeireform nehme bereits "Fahrt auf". Ungeachtet der Ausgangssperre gingen viele Demonstranten am Mittwoch wieder auf die Straße.

Um ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen, nutzen die Demonstranten vor allem zwei Hashtags auf Twitter, mit denen sie Videos, Fotos und Nachrichten versehen: #LekkiMassacre und #EndSARS. Am Dienstag hatten Sicherheitskräfte das Feuer auf die Demonstranten an der Lekki-Mautstelle eröffnet. Zuvor hatten diese umfassende Polizeireformen gefordert, unter anderem die Auflösung der Eliteeinheit Special Anti-Robbery Squad (SARS). Ausgelöst worden waren die Proteste durch ein Video, das einen Beamten der SARS zeigt, der einen jungen Mann tötete.

Joe Biden forderte ein Ende des gewaltsamen Vorgehens

Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sei diese zwischen 2017 und 2020 für mindestens 82 Fälle von Folter, Misshandlung und Hinrichtung verantwortlich gewesen. Die Einheit war nach Protesten zwar bereits am 11. Oktober aufgelöst worden, doch die Demonstranten forderten darüber hinaus weitere Strafverfolgungsreformen.

Die staatliche Regulierungsbehörde National Broadcasting Commission (NBC) forderte Medienhäuser auf, "die Situation nicht zu verschärfen" oder die Beteiligten zu "beeinflussen", indem sie Live-Material, etwa von Twitter oder anderen sozialen Netzwerken, zeigen.

Unterdessen richtete der US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden die Forderung an Präsident Buhari und das nigerianische Militär, das "gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten" einzustellen. Auch die Sängerinnen Beyoncé und Rihanna stellten sich in sozialen Medien auf die Seite der protestierenden Frauen und Männer.

© SZ/jobr
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