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Neuer IAEA-Bericht zum iranischen Atomprogramm:Iran vollendet umstrittene Anreicherungsanlage

Iran hat seine zweite Urananreicherungsanlage fertiggestellt. Das berichtete die Internationale Atomenergiebehörde IAEA. Das Land könnte nun doppelt so schnell wie bisher Atomwaffen fertigstellen. Der Westen verdächtigt Iran seit Jahren, eine Atombombe bauen zu wollen. Teheran bestreitet das.

Iran hat nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seine umstrittene Atomanreicherungsanlage Fordo inzwischen vollständig ausgerüstet. Alle für die Anreicherung von Uran benötigten zentralen Teile habe Teheran in der unterirdischen Anlage installiert, heißt es. Damit kann das Land künftig deutlich mehr Brennstoff anreichern als bisher. Iran sei nun technisch in der Lage, seine Produktion von 20-prozentig angereichertem Uran innerhalb weniger Tage zu verdoppeln. Die Zeit, die Teheran benötigt, um für die Herstellung einer Atomwaffe eine ausreichende Menge Uran zur Verfügung zu haben, würde damit halbiert.

In dem von der IAEA in Wien veröffentlichten Bericht schrieb die Behörde, es könne weiterhin nicht ausgeschlossen werden, "dass sämtliches nukleares Material in Iran friedlichen Zwecken" dienen solle. Zugleich kritisierte die IAEA, dass die iranischen Behörden Kontrollen in der Atomanlage Partschin weiterhin "ernsthaft untergraben". Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms nach Nuklearwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

Der Westen verhängte bereits eine Vielzahl von Sanktionen gegen Iran, um das Land in den Verhandlungen über das Atomprogramm zu Zugeständnissen zu bewegen. Israel, das eine atomare Bewaffnung Teherans besonders fürchtet, drohte Iran mehrfach mit einem militärischen Angriff auf die Atomanlagen.

IAEA-Chef Yukiya Amano hatte noch am Sonntag angegeben, Iran sei dabei, die Anlage in Partschin zu demontieren. Weitere Einzelheiten nannte er jedoch nicht. Die IAEA hatte von Iran wiederholt Zugang zu der Militäranlage gefordert, in der Sprengstoff getestet worden sein soll. Amano äußerte sich zugleich vorsichtig optimistisch hinsichtlich der für Mitte Dezember geplanten Gespräche mit Teheran über das Atomprogramm und stellte eine Annäherung in Aussicht.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/dapd/mike
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