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Nahost-Konflikt:Bomben stürzen Gazastreifen ins Chaos

Tod und Verzweiflung im Gazastreifen: Bei den schwersten Luftangriffen seit Jahrzehnten sind mindestens 280 Menschen getötet worden. Israel zieht Tausende Reservisten ein und droht der radikalislamischen Hamas mit einer Bodenoffensive. Diese rief zu einer neuen Intifada auf.

Nach den schwersten Luftangriffen seit Jahrzehnten erwägt Israel nach Informationen aus Militärkreisen einen Einmarsch im Gazastreifen. Mehrere hundert Soldaten seien auf dem Weg zur Grenze, teilten israelische Offiziere mit.

Bomben von einer F-16 der israelischen Luftwaffe explodieren im nördlichen Gazastreifen.

(Foto: Foto: Reuters)

Die Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen dauerten bis Sonntagmorgen an. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 280 Menschen getötet, unter ihnen auch mindestens 15 Zivilpersonen. Mehr als 900 Menschen wurden verletzt. Als Ziel der Offensive nannte die Regierung in Jerusalem die Einstellung der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.

Es ist die schwerste Angriffswelle gegen Palästinenser seit Gründung des israelischen Staates vor etwa 60 Jahren. Nach anhaltendem Raketenbeschuss aus dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen hatte Israel am Samstag die beispielslose Offensive gestartet.

Zur Unterstützung der Streitkräfte beschloss die israelische Regierung auf ihrer Kabinettssitzung die Einberufung von Reservesoldaten. Das verlautete am Sonntag aus Regierungskreisen. Zuvor hatte Ministerpräsident Ehud Olmert erklärt, dass die Militäraktion im Gazastreifen länger dauern könnte, als bislang absehbar sei.

Der UN-Sicherheitsrat rief Israel und die radikale Palästinenser-Gruppe Hamas zu einem sofortigen Ende der Gewalt im Gazastreifen auf. "Die Mitglieder des Sicherheitsrats haben angesichts der Eskalation der Lage in Gaza ihre große Besorgnis zum Ausdruck gebracht", teilte der kroatische Botschafter Neven Jurica als amtierender Vorsitzende des höchsten UN-Gremiums am Sonntag mit. "Die Mitglieder haben die Parteien aufgerufen, alle militärischen Handlungen sofort zu stoppen."

Unterdessen verteidigte Israel in einem dringenden Brief an Ban Ki Moon und den Präsidenten des Sicherheitsrates sein Vorgehen im Gazastreifen. Die israelische UN-Botschafterin Gabriela Shalev argumentierte, Israel unternehme notwendige Militäraktionen, um seine Zivilbevölkerung vor fortgesetzten Terrorangriffen zu schützen, die aus dem Gazastreifen kämen. Diese Anschläge würden von der radikal-islamischen Hamas und anderen Terror-Organisationen ausgeführt.

"Nicht schweigend hinnehmen"

Hamas trage die alleinige Verantwortung für die Vorkommnisse, betonte Shalev. Die Botschafterin erklärte, Israel habe zuvor alle Mittel ausgeschöpft, um zu einer friedlichen Lösung zu kommen. Die Operation richte sich allein gegen Terroristen und ihre Infrastruktur im Gazastreifen.

Auch Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gab der radikalen Hamas die Hauptschuld an der Gewalteskalation im Gazastreifen. Die palästinensische Seite hätte die israelische Offensive verhindern können, wenn sie sich an den Waffenstillstand mit Israel gehalten hätte, sagte Abbas am Sonntag in Kairo. "Wir haben mit ihnen gesprochen und gesagt 'Wir bitten euch, haltet euch an den Waffenstillstand'... also, wir hätten es verhindern können", sagte Abbas mit Blick auf die innerpalästinensischen Gespräche zwischen Fatah und Hamas. Abbas gehört der moderateren Fatah-Bewegung an, die seit dem Umsturz im Gazastreifen durch die radikal-islamische Hamas nur noch das Westjordanland kontrolliert.

Mehrere Angriffswellen

Die israelische Luftwaffe warf in den ersten neun Stunden der Angriffe nach eigenen Angaben Bomben mit einem Gewicht von insgesamt mehr als 100 Tonnen ab. Die erste Angriffswelle richtete sich gegen militärische Ausbildungslager, Waffenlager und mutmaßliche Werkstätten für den Bau von Raketen.

Eine zweite Welle galt am Samstagabend den Stellungen entlang der Grenze, von denen Raketen auf Israel abgeschossen wurden. Angegriffe wurde auch die Sendezentrale von Al Aksa TV. Das Studiogebäude des von der Hamas genutzten Senders wurde zerstört. Die Übertragungen wurden aber mit Hilfe eines mobilen Senders fortgesetzt.

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