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Nach Militärputsch:Facebook in Thailand zeitweise gesperrt

Erst werden Politiker verhaftet, dann Zeitungen zensiert: Nun hat das thailändische Telekommunikationsministerium Facebook vorübergehend lahmgelegt. Andere soziale Netzwerke könnten ebenfalls gesperrt werden.

Die Lage in Thailand bleibt angespannt. Nach dem Militärputsch hat das thailändische Telekommunikationsministerium am Mittwoch vorübergehend Facebook gesperrt. Etwa 30 Minuten lang, so berichten lokale Medien, sei die Seite in verschiedenen Teilen des Landes nicht erreichbar gewesen. Etwa 30 Millionen Accounts sollen gesperrt gewesen sein. Ein Armeesprecher erklärte hingegen, es habe keinen Befehl zur Sperrung von Facebook gegeben.

Das Ministerium hat zudem Gespräche mit Vertretern anderer Online-Netzwerke wie Twitter oder Instagram angekündigt. Die Betreiber sollen dabei helfen, Kritik an der Militärregierung zu unterdrücken. Es gebe derzeit eine Kampagne, die die Menschen zum Protest gegen das Militär aufstacheln soll, erklärte ein Ministeriumssprecher. "Daher brauchen wir die Hilfe der sozialen Netzwerke, um die Verbreitung von Kritik zu unterbinden", sagte er.

Unterdessen lockerte das Militär die Ausgangssperre. Von diesem Mittwoch an werde diese nur noch von Mitternacht bis vier Uhr morgens gelten, teilte die Armee mit. Bislang war es landesweit zwischen 22 Uhr und 5 Uhr verboten, auf die Straße zu gehen. Mit der Lockerung versuchen die Militärs offenbar zu signalisieren, dass sich die Lage langsam wieder normalisiert.

Seitdem die Generäle in Thailand am 22. Mai die Macht im Land an sich gerissen haben, versuchen sie diese auszubauen. Sie nahmen Politiker fest oder verhängten Ausreiseverbote. Zeitungen und Rundfunk sollen nur noch offizielle Verlautbarungen des Militärs veröffentlichen. Das Militär hatte seinen Putsch mit der Zuspitzung des Machtkampfs zwischen Regierungsanhängern und -gegnern begründet. Neben der Ausgangssperre setzte es auch die Verfassung außer Kraft und löste den Senat auf.

© Reuters/mest/mane
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