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Nach A400M-Absturz:Briten lassen Militärtransporter am Boden

  • Der Absturz des Militärtransporters A400M in Südspanien war der erste Crash einer Maschine dieses Typs.
  • Vier Besatzungsmitglieder sterben, zwei überleben schwer verletzt. Die spanische Regierung fordert von Airbus "maximalstmögliche Transparenz".
  • Die Bundeswehr setzt ihre Testflüge vorerst aus. Auch Großbritannien reagiert: Es ordnet einen Einsatzstopp für Flugzeuge dieses Typs an.
  • Wie gravierend der Rückschlag für das ehrgeizige Militärprojekt sein wird, hängt von der Unglücksursache ab.

Madrid fordert von Airbus lückenlose Aufklärung

Es war der erste Absturz eines A400M: Samstagmittag zerschellt der Militär-Transporter auf einem Feld nahe des Flughafens San Pablo bei Sevilla, vier Menschen sterben, zwei Crew-Mitglieder überleben schwer verletzt. Die Regierung in Madrid pocht auf eine lückenlose Aufklärung des Unglücks.

Ministerpräsident Mariano Rajoy forderte das Unternehmen zu "maximalstmöglicher Transparenz" auf. Eine Expertenkommission soll die Unfallursachen untersuchen. Außerdem wolle sich der spanische Verteidigungsminister Pedro Morenés an diesem Sonntag mit seinen Kollegen aus Deutschland und Frankreich treffen, um den Vorfall zu analysieren, wie die spanische Tageszeitung El Mundo berichtet.

Die brandneue Maschine war gegen 13 Uhr vom Flughafen in Sevilla zu einem Testflug gestartet, wenig später auf ein Feld gestürzt und in Flammen aufgegangen. Zur Ursache des Unglücks gab es zunächst keine Angaben. "Wir können nicht genau sagen, was passiert ist", sagte Rajoy.

Briten lassen Militärtransporter am Boden

Großbritannien ordnete nach dem Absturz einen Einsatzstopp für seine Flugzeuge dieses Tys an. Die Maschinen sollten am Boden bleiben, solange die Untersuchung über die Absturzursache im spanischen Sevilla laufe, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in London. Die britische Luftwaffe hat seit November zwei A400M bekommen und insgesamt 22 bei Airbus bestellt, die über die kommenden Jahre geliefert werden sollen.

Am Vortag hatte bereits die Bundeswehr ihre Testflüge ausgesetzt. Die Maschine bleibe vorerst am Boden, bis die Ursache des Absturzes geklärt sei. Ein Sprecher der Luftwaffe teilte mit, man wolle kein Risiko für das Personal eingehen. Airbus hatte im Dezember vergangenen Jahres nach einiger Verspätung eine Maschine ausgeliefert. Der Airbus A400M gehört zu den Pannen-Projekten der Bundeswehr. Die Entwicklung der Militärmaschine hatte sich um Jahre verzögert. Außerdem ist das Flugzeug teurer geworden als zunächst geplant.

A400M kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen

Für Airbus ist das Unglück ein weiterer tragischer Tiefpunkt seines ehrgeizigen Rüstungsprojekts, der Militärtransporter sorgt seit Jahren für Negativ-Schlagzeilen. Die viermotorige Turboprop-Maschine gilt als eines der modernsten militärischen Transportflugzeuge der Welt. Es handelt sich um ein Flugzeug mittlerer Größe (45 Meter lang und etwa 80 000 Kilo Leergewicht), sie ist kleiner als die C-17, die Standard-Transportmaschine der USA und größer als die weit verbreitete Lockheed C-130 Hercules.

Piloten mit viel Flugerfahrung

Wie gravierend der Rückschlag für das Vorhaben sein wird, dürfte maßgeblich davon abhängen, aus welcher Ursache die Maschine in Sevilla abstürzte. Am Tag des Unglücks war noch völlig unklar, ob dabei ein technisches Problem oder ein Pilotenfehler eine Rolle gespielt hatte. Die beiden Piloten, die bei dem Unglück ums Leben kamen, hatten eine umfangreiche militärische Ausbildung und viel Flugerfahrung, heißt es in dem Bericht von El Mundo.

In Sevilla werden die Transportflugzeuge montiert und getestet, ehe sie an die Luftstreitkräfte diverser Staaten übergeben werden. Die verunglückte Maschine sollte im Juni an die Türkei gehen. Airbus hat den A400M bislang an fünf Staaten ausgeliefert: Großbritannien, Malaysia, Deutschland, Frankreich und die Türkei.

© SZ.de/dpa/hai/gal

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