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Minijobs:Zu klein gedacht

Warum die Minijobs abgeschafft oder radikal reformiert gehören.

Von Henrike Roßbach

Mehr als sieben Millionen Menschen haben in Deutschland einen Minijob, und viele finden das eine feine Sache: kaum oder keine Sozialabgaben, keine Steuern, ordentlich Netto vom Brutto. Die Firmen sind auch froh und schließen mit ihren Minijobbern die Leerstellen im Dienstplanmosaik.

In Wahrheit aber sind Minijobs hochproblematisch. Sie sind genau die falsche Antwort auf den Fachkräftemangel, das müsste inzwischen auch dem flexibilitätsverliebtesten Arbeitgeber klar sein. Ihr Erfolg als Brücke in den regulären Arbeitsmarkt für Arbeitslose ist mäßig, sie drücken das Lohnniveau, nur jeder fünfte Minijobber zahlt in die Rentenversicherung ein, und fast 40 Prozent machen ihren Minijob nur nebenher, parallel zu ihrem sozialversicherungspflichtigen Hauptjob.

Es ist aber vollkommen abwegig, Nebenjobs zu subventionieren, denn für die berufliche Perspektive, die Altersvorsorge und die Sozialkassen ist es mittelfristig viel besser, Vollzeit im Hauptberuf zu arbeiten. Bei den ausschließlich geringfügig Beschäftigten wiederum sind Minijobs besonders für verheiratete Mütter eine Falle. In Verbindung mit Ehegattensplitting und beitragsfreier Mitversicherung sind sie gefährlich attraktiv - und ein Altersarmutsrisiko. Kurz: Die Minijobs gehören abgeschafft. Oder zumindest radikal reformiert.

© SZ vom 08.01.2020

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