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Merkel in Kiew:Merkel weiß: Poroschenko steht unter Druck

Gemeint sind jene Hunderttausende Menschen, die sich nicht den Separatisten angeschlossen haben, aber gleichwohl unzufrieden sind mit der Zentrale in Kiew. Echte Stabilität und sichere Zukunft, das sagt Merkel zwischen den Zeilen, wird es ohne mehr Hilfen und Verständnis und Dezentralisierung nicht geben.

Dabei weiß Merkel, dass Poroschenko aus vielen Richtungen unter Druck steht. Denn der Krieg im Osten schafft ihm nicht nur dort große Probleme. Längst wächst im Westen des Landes der Unmut darüber, dass Poroschenko sich um die Interessen der Menschen in den pro-europäischen Regionen vermeintlich zu wenig kümmert. Das könnte Poroschenko gerade dort das Handeln erschweren, wo er möglicherweise schon sehr bald mehr Handlungsfreiheit bräuchte.

Denn bei den für 25. und 26. August im weißrussischen Minsk geplanten Gesprächen mit den Staatschefs der so genannten und von Russlands Präsident Wladimir Putin vorangetriebenen Eurasischen Union wird es mit Sicherheit auch um das Assoziierungsabkommen und das geplante Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union gehen.

Merkel und Poroschenko wären gern optimistischer

Und nach dem Willen von Poroschenko und Merkel gibt es durchaus die Bereitschaft, diese so zu gestalten, dass die Vereinbarungen mit der EU keine ,"unnötigen Friktionen mit Russland" provozieren, wie Merkel in Kiew betont. Mit anderen Worten: Die EU, Berlin, Kiew - sie alle denken längst darüber nach, ob die Gespräche von Minsk die Chance bieten, durch Kompromisssignale im Umgang mit Putins Zollunion Fortschritte auch im schweren Konflikt in der Ostukraine möglich machen könnte. "Wir wollen alles tun, um unterstützend zu wirken", so Merkel an Poroschenkos Seite, "damit in Minsk Fortschritte erzielt werden können."

Diese Hoffnung wird, so scheint es, immer größer, je erschöpfender das Hin und Her ist beim Blick auf die vielen gescheiterten Bemühungen, endlich einen Waffenstillstand zu erzielen. Merkel wie Poroschenko ist anzumerken, wie sie gerne optimistischer wären und nach dem Konflikt um die russische Kolonne wieder sehr ernüchtert wirken. Immerhin, so hieß es in Merkels Delegation, gebe es die Kontaktgruppe mit russischen und ukrainischen Vertretern, das Engagement der OSZE, die sich dauernd um Vermittlung auf allen Ebenen bemühe. Und dazu das Gefühl, dass eigentlich eine Lösung doch ziemlich einfach sein könnte. Poroschenko jedenfalls sagt fast zum Abschied, Frieden könne aus seiner Sicht "ganz schnell kommen". Er meinte: das kann schnell gehen, wenn Moskau nur wollen würde.

© SZ.de/fie
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