bedeckt München 20°

Meine Presseschau:Von Ignoranten und Vasallen

Dunja Ramadan ist Redakteurin im außenpolitischen Ressort der SZ.

(Foto: Bernd Schifferdecker)

US-Präsident Donald Trump nennt seinen Nahost-Friedensplan ganz unbescheiden "Jahrhundert-Deal". Doch wie wird dieser in der arabischen Welt aufgenommen?

Von Dunja Ramadan

Ablehnung und Trotz seien oft Charakterzüge der palästinensischen Nationalbewegung, findet der Autor der vom saudischen Staat finanzierten Zeitung Al-Sharq al-Awsat. Warum habe man nicht den Dialog mit US-Präsident Donald Trump gesucht? So hätte man Einfluss auf dessen Nahostplan nehmen können. Nun sei es an der Zeit, dass die Palästinenser ihren nächsten Schritt mit Bedacht wählten. Die jordanische Zeitung al-Ghad zeigte hingegen Verständnis für die ablehnende Haltung der Palästinenser. Die Trump-Regierung habe vergeblich versucht, Druck auf die Autonomiebehörde auszuüben. "Die vollständige palästinensische Ablehnung des Jahrhundertdeals bedeutet, dass es keinen Partner gibt, um den Deal zu vollenden." Damit seien alle Maßnahmen, die Israel in den nächsten Wochen ergreifen werde, illegal, resümiert al-Ghad. In der katarischen Zeitung al-Sharq kritisiert die Autorin Ibtisam al-Saad die mangelnde Solidarität mit den Palästinensern. Die arabischen Staaten ließen viel zu viel mit sich machen, dabei handle es sich um Jerusalem, eine heilige Stadt, die auch Muslimen zustehe. "Palästina ist ein Land und kein Vasallenstaat!", schreibt die Autorin. In der ägyptischen Zeitung al-Ahram wird das US-amerikanische Vorgehen ebenfalls kritisiert. Washington nutze den "fragilen Zustand in der Region aus, um Israels Interessen zu dienen". Dies offenbare eine "extreme Ignoranz und Arroganz gegenüber Menschen in der Region". Trumps Vorstoß ignoriere die Tatsache, dass historisches Recht keine Verjährungsfrist habe. Der Deal werde die Wut der arabischen Massen verschärfen, prophezeit die Zeitung. Denn die seien der Meinung, dass die "palästinensische Sache" oberste Priorität bei den Arabern haben sollte.

© SZ vom 01.02.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite