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Nach dem Brexit-Votum in Unterhaus urteilen britische und irische Kommentatoren hart über May. Sie äußern aber auch Hoffnung auf einen Ausweg.

Von Catherine Hoffmann

Die Zukunft Großbritanniens ist unsicherer denn je. Wird Theresa May noch einmal mit der EU über Nachbesserungen für den Brexit-Deal verhandeln? Wird das britische Volk noch einmal abstimmen? Viele britische und irische Kommentatoren urteilen nach dem Brexit-Votum in Unterhaus hart über May.

Der britische Guardian beklagt einen Mangel an Führung, der das "Gefühl der Panik" noch verstärke. Die Regierung lege Lebensmittel- und Medikamentenvorräte an, "als bereite sie sich auf einen Krieg vor". Die Zeitung fordert, "dem Chaos und der Spaltung ein Ende zu setzen". Die Frage ist nur: Wie? Beim Independent hoffen sie, dass die Wähler bald noch einmal nach ihrer Meinung gefragt werden: "Alle, die 2016 abgestimmt haben, können noch einmal abstimmen. Sie können dann erneut für den Brexit stimmen, wenn sie wollen. Sie können aber auch zu dem Schluss kommen, dass der Brexit sich, aus welchem Grund auch immer, nicht als das leicht umzusetzende Paradies der Möglichkeiten erwiesen hat, das ihnen einst präsentiert wurde."

Die größte irische Tageszeitung, Irish Independent, befürchtet, "dass Großbritannien ohne Fallschirm, Backstop oder weiche Landung aus der EU stürzt". Dies sei jedenfalls wahrscheinlicher, als dass sich Theresa May mit Jeremy Corbyn auf einen Vertrag einige. Daher sollte die irische Regierung "am besten darüber nachdenken, wie sie die Grenzpolizei und ihre 208 Grenzübergänge überwachen kann". Das Land sei angesichts von Mays Niederlage gut beraten, sich auf eine "harte Grenze" vorzubereiten.

Für ein zweites Referendum macht sich der Kommentator von The Scotsman stark. Die britische Regierung habe "ihr Bestes" getan, um das Referendum von 2016 umzusetzen - ein Ding der Unmöglichkeit angesichts von Boris Johnsons Versprechen, dass man den Kuchen gleichzeitig essen und behalten könne. Enttäuschte Hoffnung sei die Folge. "Und das bedeutet, dass die Brexit-Frage sich jetzt geändert hat und eine neue Antwort der Bevölkerung braucht."