Massive Gewalt in Syrien:Regierungstruppen drängen Rebellen vor Damaskus zurück

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Die Arabische Liga hat ihre Beobachter aus Syrien abgezogen - nun soll die Gewalt erneut sprunghaft angestiegen sein. Menschenrechtler sprechen von mehr als 60 Toten allein am Sonntag. In Vororten der Haupstadt Damaskus sollen die Truppen von Präsident Assad mit Panzern eingerückt sein.

Nach dem Abbruch der Beobachtermission der Arabischen Liga ist die Gewalt in Syrien sprunghaft angestiegen. Am Sonntag schickte Präsident Baschar al-Assad Hunderte Soldaten in die von Rebellen kontrollierte Außenbezirke der Hauptstadt Damaskus. Bei dem Einmarsch mit etwa 50 Panzern seien mindestens 19 Zivilisten getötet worden, sagten Regierungsgegner.

Insgesamt sollen allein am Sonntag landesweit mindestens 62 Menschen getötet worden sein, darunter 27 Zivilisten, berichteten Menschenrechtsaktivisten. Auch in der Nacht zum Montag soll es heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren gegeben haben, nur acht Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt. Dabei seien mindestens neun weitere Menschen ums Leben gekommen.

Die meisten Toten habe es bei Kämpfen um Damaskus und in der Stadt Homs, einer der Hochburgen der Protestegegeben, erklärte die in London ansässige Organisation Syrian Observatory for Human Rights. Nach Berichten staatlicher Medien ist zudem eine Erdgas-Pipeline nahe der Grenze zum Libanon gesprengt worden. Die amtliche Nachrichtenagentur des Landes machte eine "Terroristengruppe" für den Anschlag verantwortlich.

Dem regierungstreuen TV-Sender Addunia zufolge traten nahe Telkalach etwa 460.000 Kubikmeter Gas aus. Seit dem Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad wurden schon mehrfach Leitungen angegriffen. Dies hat wiederholt zu Lieferengpässen geführt.

Inzwischen haben syrische Regierungstruppen von Rebellen kontrollierte Außenbezirke der Hauptstadt zurückerobert. Die freie syrische Armee habe sich aus taktischen Gründen zurückgezogen, sagte ein Regierungsgegner. Die Assad-Truppen hätten die Vororte der Hauptstadt besetzt, gingen von Haus zu Haus und nähmen Menschen fest, sagte ein Aktivist.

Die Kämpfe sind in den vergangenen Wochen immer näher an die Hauptstadt herangerückt. Abtrünnige Soldaten hatten vor allem am östlichen Stadtrand mehrere Vororte erobert. Seit Donnerstag kamen dabei nach Angaben von Aktivisten mindestens 150 Menschen ums Leben. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bei den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Regimegegnern insgesamt mehr als 5000 Menschen getötet worden. Die syrische Führung spricht von 2000 Toten, bei denen es sich vor allem um Sicherheitskräfte handele.

Am Montagabend wollte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, in New York beim UN-Sicherheitsrat über den Konflikt in Syrien referieren und das weitere Vorgehen beraten. Die meisten Mitglieder des Sicherheitsrats, darunter auch Deutschland, sprechen sich für eine scharfe Resolution gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad aus. Die Veto-Macht Russland blockiert das aber. Moskau will keinem Entwurf zustimmen, der Sanktionen gegen das Regime oder eine Waffenembargo enthält. Russland hatte seinem Verbündeten gerade Kampfflugzeuge im Wert von 427 Millionen Euro verkauft. Zudem unterhält die russische Marine in Syrien einen wichtigen Stützpunkt.

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