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Machtwechsel in Krisenstaat Thailand:Die Rothemden greifen nach der Macht

So deutlich hatte keiner den Wechsel erwartet: In Thailand deutet alles darauf hin, dass Yingluck Shinawatra Ministerpräsidentin wird. Es ist ein Triumph für ihre Partei der Rothemden - seit ihr Bruder Thaksin vor fünf Jahren vom Militär als Regierungschef weggeputscht wurde, ist das Land in der Krise.

Deutlicher als erwartet hat die thailändische Opposition am Sonntag bei den Parlamentswahlen triumphiert. Die Pheu-Thai-Partei des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra gewann nach ersten Auszählungsergebnissen die absolute Mehrheit im 500-Sitze-Parlament. Damit dürfte Thaksins jüngere Schwester Yingluck Shinawatra, die als Spitzenkandidatin der sogenannten Rothemden ins Rennen gegangen war, erste Regierungschefin Thailands werden.

Thailand general election

Spitzenkandidatin und Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra: Sie könnte die erste Regierungschefin Thailands werden.

(Foto: dpa)

Nach der Auszählung von 94 Prozent der Stimmen konnte die Pheu-Thai-Partei mit 261 der 500 Mandate rechnen. Die Demokraten des amtierenden Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva kamen nach dem vorläufigen Ergebnis auf 162 Sitze. Vejjajiva räumte seine Niederlage ein. "Ich kann das nicht verstehen", sagte Vize-Regierungschef Suthep Thaugsuban. "Wenn das Volk will, dass unser Land sich in diese Richtung bewegt, muss ich kapitulieren."

Die 44-Jährige Unternehmerin Shinawatra ist politisch unerfahren. Sie hielt sich zunächst mit einer Bewertung zurück. Sie wolle die Auszählung aller Stimmen abwarten. Wählernachfragen hatten ihr noch einen weit höheren Wahlsieg mit bis zu 313 gewonnenen Sitzen prophezeit.

Ihr im Exil in Dubai lebender Bruder Thaksin leitet de facto noch immer die Geschicke der Partei. Bereits zu Beginn des Wahlkampfes hatte er seine Schwester als seinen "Klon" bezeichnet. "Alle Parteien müssen die Entscheidung des Volkes respektieren, sonst kann unser Land keinen Frieden erreichen", sagte Thaksin nun telefonisch dem thailändischen Fernsehen. Seiner Schwester gratulierte Thaksin am Telefon. Er habe ihr gesagt, sie habe einen "harten Job" vor sich.

Thaksin kündigte an, nach Thailand zurückkehren. "Ich will keine Probleme machen, sondern zu Lösungen beitragen", sagte er. Er wolle für die Rückkehr auf "den richtigen Zeitpunkt warten". Thaksin Shinawatra war vor fünf Jahren vom Militär gestürzt worden. Später wurde er in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft wegen Korruption verurteilt. Seine Partei Thai Rak Thai wurde verboten. An ihre Stelle ist nun Pheu Thai getreten, die sich als Interessenvertreterin der armen Landbevölkerung versteht.

"Stimmen für Thaksin"

Der offenbar unterlegene Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte laut BBC die Stimmen für die Pheu Thai-Partei als Stimmen für Thaksin bezeichnet. Er sagte vor der Stimmabgabe, dass Land müsse "das Gift Thaksins" loswerden.

Thailand befindet sich seit sechs Jahren in einer schweren politischen Krise. Die Anhänger Thaksins, erkennbar an ihren roten Hemden, hatten im vergangenen Jahr ein Geschäftsviertel in Bangkok elf Wochen lang blockiert. Bei Auseinandersetzungen mit dem Militär kamen damals 91 Menschen ums Leben.

Die Wahl verlief weitgehend friedlich. Die Regierungspartei hatte jedoch im Falle eines Siegs der Opposition vor weiteren Unruhen gewarnt. Entscheidend dürfte dabei sein, wie sich das Militär verhält, das in der Vergangenheit bereits etliche Male in die Politik eingegriffen hat. Armeechef Prayut Chan Ocha hatte sich für die Regierungspartei ausgesprochen, sich aber zugleich bei seiner Stimmabgabe gelassen und versöhnlich gegeben: "Ich mache mir keine Sorgen über die Lage nach den Wahlen", sagte er. Es gebe keine Putschpläne. Bereits kurz vor der Abstimmung hatte er bekundet, die Streitkräfte würden das Ergebnis respektieren.

Yingluck Shinawatra hatte angekündigt, keine Racheaktionen zu dulden. Die Partei denkt über eine Amnestie nach, unter der angeklagte Aktivisten aus den Straßenprotesten freikommen. Auch Thaksin könnte von einer solchen Amnestie profitieren. Die Opposition hatte kritisiert, dass Pheu Thai einzig die Interessen der Shinawatras vertrete und dass Thaksin es auf die Rückgabe der aus seinem Vermögen beschlagnahmten eine Milliarde Euro abgesehen habe.

© sueddeutsche.de/reuters/dpa/dapd/AFP/plö/beu/afis
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