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Bundesanwaltschaft:Festnahme nach Anschlägen auf Neonazi-Treffpunkt

Generalbundesanwalt

Die Bundesanwaltschaft ließ in Leipzig eine 25-jährige mutmaßliche Linksextremistin festnehmen.

(Foto: Christoph Schmidt/dpa)

Lina E. soll einer linksextremen Vereinigung angehören, die gewaltsam gegen Rechtsextreme vorging.

Von Antonie Rietzschel, Leipzig

Nach mehreren Anschlägen hat die Bundesanwaltschaft in Leipzig eine mutmaßliche Linksextremistin festnehmen lassen. Lina E. werden unter anderem gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung und besonders schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Den Ermittlungen der sächsischen Sonderkommission Links zufolge soll E. sich im September 2019 einer linksextremistischen kriminellen Vereinigung angeschlossen haben, die gezielt Angriffe auf Rechtsextreme plante.

Die Gruppe hatte es offenbar speziell auf ein Restaurant im thüringischen Eisenach abgesehen. Dabei handelt es sich um das "Bulls Eye", einen stadtbekannten Neonazi-Treffpunkt. Der Besitzer kandidierte früher als NPD-Stadtrat.

Überfall auf Neonazi-Treffpunkt

Mit Schlagstöcken bewaffnet drangen im vergangenen Oktober mehrere Angreifer in den Gastraum des "Bulls Eye" ein, zerstörten Teile der Einrichtung und prügelten auf Restaurantbesucher ein. Nach dem Angriff setzte die Gruppe die Observation fort. Als sich die Gelegenheit bot, verfolgten deren Mitglieder den Inhaber auf dem Weg zu seiner Wohnung, attackierten ihn mit Stangen und einem Hammer. Der rettete sich mit seinen Begleitern in ein Auto. Die Angreifer zertrümmerten eine Scheibe und schlugen weiter auf ihre Opfer ein. Der Bundesanwaltschaft zufolge war es Lina E., die die Angriffe in Eisenach plante und bei der Ausführung das Kommando übernahm. Außerdem stellte sie ihr Auto als Fluchtfahrzeug zur Verfügung.

Im Frühjahr 2020 soll die 25-Jährige Vorbereitungen für einen weiteren Übergriff in Leipzig getroffen haben. E. spähte dafür eine Person aus, deren Wohnanschrift zuvor im Internet veröffentlicht worden war. Diesmal versuchte sie offenbar auch Mitstreiter aus Berlin zu gewinnen. Die Durchführung des geplanten Anschlags scheiterte "durch polizeiliche Gefahrenabwehrmaßnahmen", wie es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft heißt. Am vergangenen Donnerstag nahm die Polizei Lina E. fest, durchsuchte ihre Wohnung sowie die von zwei weiteren mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppe.

In Leipzig kam es in der Vergangenheit wiederholt zu gewalttätigen Protesten und Anschlägen, die Linksextremen zugeordnet werden. Selten gelingt es der Polizei, die Verantwortlichen ausfindig zu machen. So ist auch die Attacke auf eine Immobilienmaklerin im November vergangenen Jahres weiterhin ungeklärt.

© SZ/hohmann
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