Linke Lafontaine soll auf Trotzkisten-Kongress die Systemfrage stellen

Mit ihrem Kommunismus-Bekenntnis hat Linken-Chefin Lötzsch einen Richtungsstreit in der eigenen Partei ausgelöst. Jetzt hat sich ihr Vorgänger Lafontaine von Trotzkisten als Redner verpflichten lassen. Titel des Kongresses: "Marx ist Muss".

Der frühere Linkspartei-Vorsitzende Oskar Lafontaine ist Anfang Juni einer der Hauptredner auf einem Kongress der trotzkistischen Organisation "Marx 21". Ein Sprecher Lafontaines bestätigte dem in Berlin erscheinenden Tagesspiegel dessen Teilnahme.

Mit geballter Faust: Oskar Lafontaine, damals noch Parteichef, auf dem Bundesparteitag der Linken in Rostock im Mai 2010. Nun hat er sich vom linken Parteiflügel als Redner verpflichten lassen.

(Foto: ap)

Der Kongress unter dem Titel "Marx ist Muss" wird vom 2. bis 5. Juni in Berlin-Kreuzberg stattfinden. Lafontaine soll dort zur Programmdebatte der Linkspartei sprechen und diskutieren. Im Programm wird er an erster Stelle genannt. Der Titel der Veranstaltung, auf der er sprechen soll, lautet: "Die Systemfrage stellen - welches Programm braucht DIE LINKE?"

Was genau die Organisatoren sich darunter vorstellen, wird auf der eigens für den Kongress eingerichteten Webseite sehr viel deutlicher: "Das System in Frage stellen" steht dort in großen Lettern neben einem Bild von Oskar Lafontaine, der seine rechte Hand zur Faust ballt. Eine abstrahierte Faust findet sich auch als prägendes Stilelement auf dem Flyer des Kongresses.

Das übergreifende Thema soll die Aktualität der kommunistischen Idee sein. Neben Lafontaine als Redner geladen ist unter anderem der slowenische Philosoph Slavoj Zizek, der als Vordenker der Neuen Linken gilt und Marximus gerne mit Populärkultur und Psychoanalyse vermischt. Mit dabei ist außerdem der marxistische deutsche Politikwissenschaftler Elmar Altvater.

"Marx 21" ist die Nachfolgeorganisation von "Linksruck", die sich 2007 formal aufgelöst hatte, um als Netzwerk innerhalb der Linkspartei zu wirken. Auf dem Kongress auftreten werden auch mehrere in der Linkspartei organisierte Aktivisten von "Marx 21", darunter die Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz und Nicole Gohlke sowie die hessische Fraktionschefin Janine Wissler.

Zu Jahresanfang hatte die Linken-Vorsitzende Gesine Lötzsch für Wirbel gesorgt, als sie an der Rosa-Luxemburg-Konferenz teilnahm, die von der linken Zeitung Junge Welt organisiert wurde. Mit ihrem Aufsatz in der Zeitung unter dem Titel "Wege in den Kommunismus" trat sie in ihrer Partei einen heftigen Richtungsstreit los. "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung", schrieb Lötzsch in dem Aufsatz.

Wenig später verteidigte Lötzsch ihren Aufsatz auf der Berliner Rosa-Luxemburg-Konferenz und ließ sich von linken Splittergruppen feiern. Die Kommunismus-Debatte sowie anhaltende Personalquerelen um das umstrittene Führungsduo Lötzsch und Ernst hatten die Linke in eine schwere Krise gestürzt. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz war die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.