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KSK-Offizier droht kritischem Kameraden:Mobbing in der Bundeswehr

Ein Offizier des KSK aus Calw schrieb einen Drohbrief an einen kritischen Soldaten. Die Bundeswehr verhängte eine "völlig unzureichende" Disziplinarstrafe, wie der Wehrbeauftragte des Bundestages findet.

Bernd Dörries

Oberstleutnant Jürgen Rose ist seit fast 31 Jahren Soldat. Vor Jahrzehnten war er bei der Raketenabwehr an der innerdeutschen Grenze stationiert. Das hat ihm gut gefallen. "Ich bin in einer Zeit sozialisiert worden, als der Auftrag der Bundeswehr in der Abschreckung bestand." Frieden als Ernstfall.

In der Bundeswehr gibt es Ärger wegen eines Drohbriefs.

(Foto: Foto: dpa)

Die heutigen Aufgaben der Bundeswehr gefallen ihm nicht mehr so gut, und das macht Rose, 49, auch deutlich, wann immer es geht. Er schreibt Artikel in der linken Wochenzeitung Freitag und anderswo: Gegen die Wehrpflicht, gegen den "völkerrechtswidrigen Angriffskrieg" im Irak, gegen die "Feigheit" der Generalität.

Er ist Sprecher der kritischen Soldatenvereinigung "Darmstädter Signal", einer Gruppe von etwa 200 aktiven und ehemaligen Soldaten, die sich gegen Kampfeinsätze engagieren. Rose weiß, dass er sich mit seinen Aktionen nicht bei jedem Kameraden beliebt macht. Kritik ist er gewohnt. Die Sprache einer E-Mail, die er im vergangenen Sommer bekam, hat ihn dann aber doch schockiert. "Das ist die Wortwahl der NS-Zeit", sagt Rose.

Rose fühlt sich an militaristische Geheimbünde erinnert

Ein Hauptmann des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw schrieb ihm: "Ich beurteile Sie als Feind im Inneren und werde mein Handeln daran ausrichten, diesen Feind im Schwerpunkt zu zerschlagen." Er drohte: "Sie werden beobachtet, nein nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten, sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht."

Rose sagt, die Äußerungen erinnerten ihn an nationalistische und militaristische Geheimbünde der zwanziger Jahre wie die Organisation Consul, als sich die SA gegen den "inneren Feind zu formieren begann". Gegen den KSK-Hauptmann wurde eine einfache Disziplinarmaßnahme verhängt, die von einem Eintrag in die Personalakte bis zu einigen Tagen Arrest reichen kann.

Rose war das nicht genug. Er wandte sich an den Wehrbeauftragten des Bundestags Reinhold Robbe, der die Strafe "völlig unzureichend" fand und die Bundeswehr drängte, die Maßnahme durch eine höhere Dienststelle erneut überprüfen zu lassen. Dies sei geschehen, teilt das Heeresführungskommando mit, und der Fall mittlerweile "ohne Beanstandung abgeschlossen worden". Der Wehrbeauftragte des Bundestages weiß davon noch nichts, man warte noch auf eine Antwort des Verteidigungsministeriums.

Mittlerweile im Büro mit Gummibaum

Danach soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Rose selbst wird seinen Protest ohnehin nicht einstellen. Demnächst kämpft er vor dem Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg darum, auch als Soldat behaupten zu dürfen, dass die Bundeswehr aus "Opportunismus, Feigheit und Skrupellosigkeit" den Krieg im Irak unterstütze. Für diese Wortwahl verhängte die Bundeswehr eine Strafe von 750 Euro.

Oberstleutnant Rose selbst wird wahrscheinlich keine Waffe mehr in die Hand nehmen. Im Jahr 2007 ließ er sich aus Gewissengründen versetzen, er wollte nicht länger an der logistischen Unterstützung der deutschen Tornados in Südafghanistan mitwirken. Jetzt sitzt Rose in einem Büro mit Gummibaum und ist für die Sauberkeit in den Liegenschaften der Bundeswehr zuständig.

© SZ vom 27.03.2008/sekr
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