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Krieg im Gaza-Streifen:Operation "Gegossenes Blei"

Für die israelischen Anrainer des Gaza-Streifens, die seit Samstag wieder in Bunkern sitzen, brachte die Waffenruhe eine vorübergehende Erholung vom Raketenbeschuss. Seit Sommer 2005 haben Mitglieder von Hamas und Islamischem Dschihad etwa 7000 Raketen und Granaten auf Israel abgefeuert, während der Waffenruhe nur 70. Die Waffenruhe brach letztlich auch nach einer israelischen Militäroperation im November, als die Armee einen Tunnel in Richtung Israel gesprengt hatte, durch den israelische Soldaten in den Gaza-Streifen verschleppt werden sollten.

Falschmeldung am Heiligen Abend

Die Entdeckung des Tunnels, heißt es in israelischen Medien, habe Verteidigungsminister Barak und die Armee-Führung darin bestätigt, dass Hamas die Waffenruhe nutze, um sich mit Waffen zu versorgen und neue Anschläge auf israelische Militärpatrouillen vorzubereiten. Vor zweieinhalb Jahren hatten Hamas-Terroristen nach einem Anschlag auf eine israelische Armee-Einheit den Soldaten Gilad Schalit in den Gaza-Streifen verschleppt. Schalit lebt noch.

In den vergangenen sechs Monaten der brüchigen Waffenruhe hat Barak nach Informationen von Haaretz sämtliche Geheimdienststellen und Armee-Einheiten mit der Auswertung von Informationen beauftragt, die aus dem Gaza-Streifen stammen. Es wird angenommen, dass Israel dabei auch auf Kollaborateure angewiesen war, das heißt Palästinenser im Gaza-Streifen, die gegen Bezahlung Informationen über Aufenthaltsorte von Hamas-Mitgliedern und Waffendepots geliefert haben.

Die israelische Menschenrechtsorganisation "Betselem" kritisiert die Rekrutierung von palästinensischen Informanten durch die Armee. Eine Sprecherin sagte, durch die Abriegelung des Gaza-Streifens seien viele Menschen in großer Not und würden daher "gegen ihr eigentliches Gewissen" gezwungen, Informationen zu liefern.

Um den Zeitpunkt des Vergeltungsangriffs geheim zu halten, verbreitete die Presseabteilung von Regierungschef Ehud Olmert am Heiligen Abend eine Falschmeldung. Das Kabinett, so hieß es in der Mitteilung, sei am 24. Dezember zusammengekommen, um über die Bedrohungen des globalen Terrorismus zu reden. Tatsächlich, berichteten israelische Medien jetzt, seien die Minister am Mittwoch darüber informiert worden, dass Hamas-Stellungen im Gaza-Streifen in den kommenden Tagen angegriffen würden.

Im Alleingang befehligt

Die Diskussion am Kabinettstisch über den Einsatz habe fünf Stunden gedauert. Dies sei auch ein Beweis dafür, heißt es aus dem Verteidigungsministerium, dass man den Empfehlungen der Untersuchungskommission zum Libanonkrieg gefolgt sei. Das Komitee hatte Olmert vorgeworfen, den Libanonkrieg gegen die Hisbollah im Sommer 2006 praktisch im Alleingang befehligt zu haben.

Bei ihrem Besuch in Kairo informierte Außenministerin Tzipi Livni am Donnerstag Staatschef Hosni Mubarak über den Armee-Einsatz. Um die Weltöffentlichkeit - und auch die Hamas - im Unklaren zu lassen, öffnete die israelische Armee am Freitag die Grenzübergänge zum Gaza-Streifen kurz.

Zum selben Zeitpunkt, als mehrere Dutzend Lastwagen mit Nahrungsmitteln und Treibstoff in den Elendsflecken gelassen wurden, trafen sich Barak und die Armeespitze in Tel Aviv und einigten sich auf Samstag als Beginn der Gaza-Offensive.