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Korea:Friedenszeichen für Pjöngjang

Donald Trump findet, sie machten Spaß, seien aber zu teuer: Die USA und Südkorea verzichten künftig auf gemeinsame Großmanöver.

Washington und Seoul haben ihre gemeinsamen Frühjahrsmanöver "Key Resolve" abgesagt, die diese Woche hätten beginnen sollen. Pjöngjang hat diese halbjährlich durchgeführten Großmanöver stets als Bedrohung verstanden, zumal auch die Invasion in Nordkorea geübt wurde. Während die USA zunächst nur eine Aussetzung der mehrwöchigen Manöver verkündeten, stellte Südkoreas Verteidigungsministerium am Sonntag jedoch klar, alle Großübungen würden zur Unterstützung der Friedensbildung definitiv abgeschafft. Auch während der Sommermanöver sollten nur begrenzt Gefechtsübungen stattfinden. Stattdessen begannen am Sonntag neuntägige Generalstabsmanöver - als Planspiele am Computer.

Die Einstellung der Großmanöver sei schon länger vorbereitet worden, so ein Sprecher des Verteidigungsministers in Seoul am Sonntag. Der endgültige Beschluss sei aber erst am Samstag gefallen. Die Absage könnte helfen, die atomare Abrüstung Nordkoreas zu beschleunigen, meinte die südkoreanische Tageszeitung Joong-Ang Ilbo. Die beiden Koreas hatten im Vorjahr ein Abkommen unterzeichnet, wonach ihre Armeen auf jegliche Feindseligkeiten verzichteten. Pjöngjang hatte die Manöver mit 11 500 amerikanischen und 290 000 südkoreanischen Soldaten, wie sie noch 2017 durchgeführt wurden, stets als "feindlichen Akt" gesehen.

Die Manöver machten vielleicht Spaß, seien aber viel zu teuer, sagte US-Präsident Trump

US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag in Hanoi nach dem ergebnislosen Gipfel mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un gesagt, die Großmanöver "machen vielleicht Spaß, sind aber viel zu teuer". Die Ankündigung ihres Endes dürfte freilich auch Teil der Schadensbegrenzung sein. Trump dankte Kim nach dem Gipfel für die "produktiven Gespräche". Sie hätten zwar ein Abkommen unterzeichnen können, dies sei ihm aber zu wenig gewesen, so Trump. Der frühere US-Beauftragte für Nordkorea, Joseph Yun, sagte auf CNN, Trump hätte einen Knall gebraucht, um von den massiven Anschuldigungen seines Ex-Anwalts Michael Cohen vor einem Kongress-Ausschuss abzulenken. Da ein großer Durchbruch außer Reichweite gelegen habe, sei Trump für einen Knall nur das Platzenlassen des Gipfels geblieben. Nordkoreas Parteizeitung Rodong Sinmun lobte den Gipfel als Erfolg: "Eine wichtige Gelegenheit, den gegenseitigen Respekt und das Vertrauen zu vertiefen." Die Gespräche würden fortgesetzt.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in kündigte eine Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Koreas an. Ein "innerkoreanisches Wirtschaftskomitee" würde gebildet, wie es bereits ein Militärkomitee gibt. "Der Frieden auf der koreanischen Halbinsel wird die neue treibende Kraft für Wirtschaftswachstum in Nordost-Asien, in den Asean-Staaten und in Eurasien", so Moon.

© SZ vom 04.03.2019

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