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Konflikt in Syrien:Aktivisten werfen Armee Einsatz von Chlorgas vor

Syrische Aktivisten haben ein Video ins Internet gestellt, in dem zu sehen sein soll, dass vor ein paar Tagen Chlorgas gegen Menschen eingesetzt wurde. Auch Ärzte bestätigen demnach den Einsatz des Giftgases in der Stadt Kafr Sita.

Aktivisten in Syrien werfen der syrischen Armee vor, erneut Chlorgas eingesetzt zu haben. In der Provinz Hama hätten die Regierungstruppen am Donnerstag Chlorgas in Fassbomben aus Hubschraubern abgeworfen, sagte ein Vertreter der Aufständischen am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Es habe sich um einen Vergeltungsangriff gehandelt, da die Einwohner der Stadt Kafr Sita den Rebellen erlaubt hätten, den Ort als Basis für ihre Einsätze in der Region zu nutzen. Aktivisten in der Provinz Idlib verbreiteten Videos, auf denen Patienten, unter ihnen Kinder, wegen Atemwegsbeschwerden behandelt werden. "Wir sind sicher, dass Chlorgas eingesetzt wurde", sagt einer der Ärzte. Die Regierung weist die Vorwürfe laut Reuters zurück und beschuldigt die Rebellen, Giftgas eingesetzt zu haben.

Die Berichte konnten von unabhängiger Stelle zunächst nicht bestätigt werden. Entsprechende Vorwürfe gegen die syrische Führung hatten sich zuletzt gehäuft. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte in der vergangenen Woche von "starken Hinweisen" auf Einsätze von Chlorgas durch die Regierungstruppen bei fünf verschiedenen Angriffen im Norden des Landes gesprochen.

Vernichtung von Chlorgas ist nicht vorgesehen

Die Kontrollbehörde für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) soll die mutmaßlichen Chlorgas-Einsätze nun untersuchen. Erst im April waren die USA einem Einsatz von Giftgas nachgegangen. Unter Aufsicht der OPCW wird das syrische Chemiewaffenarsenal zwar derzeit unschädlich gemacht. Eine Vernichtung des vor allem in der Industrie eingesetzten Chlorgas ist dabei jedoch nicht vorgesehen. Westliche Staaten werfen Syrien zudem vor, die Zerstörung von Chemiewaffen zu verzögern. Es gebe keine Anzeichen für den Abtransport der restlichen 100 Tonnen Kampfstoffe, erklärte ein Vertreter Großbritanniens am Donnerstag im Exekutivrat der OPCW in Den Haag. Mehrere Fristen seien nicht eingehalten worden. Syrien habe "kläglich versagt".

Der Exekutivrat der OPCW ermahnte Syrien, die Kampfstoffe so schnell wie möglich zum Hafen Latakia zu transportieren. Dort sollen sie verschifft und später auf See neutralisiert werden. Nach Ansicht der Vertreter der Europäischen Union bei der OPCW ist die dafür vom UN-Sicherheitsrat gesetzte Frist bis zum 30. Juni kaum einzuhalten. "Die Verantwortung dafür liegt ganz klar bei Syrien." Bislang wurden gut 92 Prozent des syrischen Chemiewaffenarsenals zerstört oder außer Landes gebracht. Der Rest soll sich an einem einzigen Ort befinden. Syrien habe angegeben, dass das Material aus Sicherheitsgründen nicht transportiert werden könne, teilte die OPCW mit.

© SZ.de/afp/dpa/ahem/sks
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