Konferenz in Tokio Geberländer sagen Afghanistan 16 Milliarden Dollar zu

Die internationale Staatengemeinschaft will Afghanistan auch nach dem Abzug der Truppen mit Milliardenhilfen unterstützen, fordert von Kabul aber Gegenleistungen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete die Situation am Hindukusch als weiterhin "fragil". Kurz vor der Konferenz tauchte ein Video auf, das die Hinrichtung einer Frau auf offener Straße unter dem Jubel von 150 Zuschauern zeigt.

Die internationale Staatengemeinschaft stellt Afghanistan auch nach dem Abzug der ausländischen Soldaten im Jahr 2014 Milliarden an Hilfen in Aussicht. Bei der Afghanistan-Konferenz in Tokio beliefen sich die Zusagen am Sonntag für die Jahre 2012 bis 2015 auf mehr als 16 Milliarden Dollar, umgerechnet 13 Milliarden Euro, wie von Seiten der japanischen Gastgeber verlautete.

Im Gegenzug verpflichtet sich Afghanistan in einem Abschlussdokument zu einer Reihe von Gegenleistungen - von freien Wahlen über bessere Finanzaufsicht und Regierungsführung bis zur Bekämpfung der Korruption. So soll sichergestellt werden, dass die Regierung in Kabul ihre Versprechen auch wirklich erfüllt.

Deutschland - nach den USA und Japan drittgrößter Geldgeber für Afghanistan - wird nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes im Jahr 2014 weiter 430 Millionen Euro pro Jahr bis "zumindest 2016" zur Entwicklung des Landes aufbringen, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle vor den Delegierten aus rund 70 Geber- und Nachbarländern sowie von Internationalen Organisationen sagte.

Westerwelle machte aber auch deutlich, dass Deutschland seine künftige zivile Unterstützung klar an Reformen in Afghanistan knüpfen werde.

Karsai will Korruption stärker bekämpfen

Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte einen verstärkten Kampf gegen die Korruption in seinem Land zu. Bei allen Fortschritten, die in den vergangenen Jahren erzielt worden seien, sei die Lage in seinem Land weiterhin "gefährdet" und die "Wirtschaft unterentwickelt", sagte Karsai.

Korruption unterlaufe die Effizienz der internationalen Hilfen. Es bedürfe noch "viele Jahre" harter Arbeit, bevor Afghanistan Selbstständigkeit erreiche. Seine Regierung präsentierte der Staatengemeinschaft in Tokio ein Strategiepapier, in dem das Land eigene Entwicklungs- und Reformvorhaben zusichert.

Das eintägige Treffen in Tokio ist das zivile Gegenstück zu den Beschlüssen des Nato-Gipfels in Chicago im Mai, bei dem etwa die gleiche jährliche Summe für die afghanischen Sicherheitskräfte bewilligt wurden. Zusammen mit den Zusagen in Tokio für den Wiederaufbau und die Entwicklung Afghanistans kann das Land am Hindukusch damit mit Hilfen in Höhe von jährlich acht Milliarden Dollar rechnen. Damit erhofft sich die Staatengemeinschaft zumindest die Sicherung von Stabilität in Afghanistan.

Video zeigt Hinrichtung einer Frau

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, die wirtschaftlichen Bedingungen für alle Afghanen, besonders aber für Frauen müssten verbessert werden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, die Situation in Afghanistan sei trotz "realer Fortschritte" im Bereich Sicherheit und Entwicklung weiterhin "fragil". Dem afghanischen Volk müssten "langfristige Aussichten" für eine bessere Zukunft gegeben und die Sorge genommen werden, dass das Land von der Staatengemeinschaft aufgegeben werden könnte. Zudem müsse "mehr für Frauen und Kinder" in Afghanistan getan werden, sagte Ban.

Wie es um die Situation der Frauen in den Land bestellt ist, zeigt ein Video, das der Nachrichtenagentur Reuters eigenen Angaben zufolge zugespielt wurde. Es zeige die Hinrichtung einer Frau auf offener Straße in einem Ort in der Nähe Kabuls. Die Afghanin soll angeblich Ehebruch begangen haben, wofür das islamische Recht die Todesstrafe vorsieht. Das Video zeige einen mit einem Turban bekleideten Mann, der vor den Augen von etwa 150 jubelnden Männern fünf Mal mit einer Maschinenpistole auf eine am Boden kniende Frau schießt. Die Taliban dementierten eine Beteiligung an der mehrere Tage zurückliegenden Tat.

Mehr als 40 Tote bei Anschlägen und Gefechten

Am Sonntag kam es erneut zu Auseinandersetzungen in verschieden Teilen des Landes mit mehr als 40 Todesopfern. Wie die Behörden mitteilten, griffen Aufständische in der Nacht einen Kontrollpunkt der Sicherheitskräfte in der südlichen Provinz Helmand an. Fünf Polizisten wurden den Angaben zufolge getötet, als ein zur Verstärkung gerufenes Fahrzeug von einer Bombe erfasst wurde. Bei dem etwa vierstündigen Gefecht seien 20 Angreifer getötet und drei weitere Polizisten verletzt worden.

In der südlichen Nachbarprovinz Kandahar wurden unterdessen bei drei Anschlägen mindestens 16 Zivilpersonen getötet und zehn weitere verletzt. Im Bezirk Arghistan sei zunächst ein Kleinbus von einem am Straßenrand platzierten Sprengsatz erfasst worden, sagte ein Provinzsprecher. Wenig später habe eine weitere Bombe einen Traktor getroffen, mit dem Zivilisten zum Unglücksort gefahren waren, um zu helfen. Zwei Stunden später fuhr ein ziviles Fahrzeug in dem Bezirk auf eine Bombe. Zwei Frauen wurden getötet.

Laut Nato-Angaben wurde bereits am Samstag ein Soldat des internationalen Militärbündnisses im Süden Afghanistans von einer Bombe getötet. Ein weiterer Soldat kam bei einem Angriff von Aufständischen am Sonntag ums Leben. Die Nationalität der Opfer wurde nicht bekannt gegeben.