Kohl verlässt Hannelore-Kohl-Stiftung Stiften und stiften gehen

Altkanzler Helmut Kohl will mit der Hannelore-Kohl-Stiftung nichts mehr zu tun haben - aus Protest gegen ein Kuratorium, das es wagt, sich seinen Wünschen zu verweigern.

Von Hans Leyendecker

Als Regierungschef und Vormann der CDU hat Helmut Kohl die Welt immer in zwei Lager geteilt: "Wir oder die". Der Altkanzler ist im Wortsinn treu, aber wer ihn enttäuscht oder ihm nicht folgt, bekommt das zu spüren. Auch mit 79 Jahren kennt der alte Kohl da kein Pardon.

"Mit sofortiger Wirkung", schreibt Helmut Kohl, lege er alle Ämter bei der Hannelore-Kohl-Stiftung nieder.

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Am Dienstag schrieb der Christdemokrat den "Mitgliedern des Kuratoriums und des Vorstands der Bonner ZNS - Hannelore Kohl Stiftung" einen zweieinhalb Seiten langen Brandbrief. Er schickte das Schreiben "aus gegebenem Anlass" auch an den Kölner Regierungspräsidenten. Der beaufsichtigt die Stiftung, die den Namen der ersten Frau des Altkanzlers trägt und deren Repräsentanten aus Sicht von Kohl jetzt zu denen gehören, die für ihn "die" sind.

"Mit sofortiger Wirkung", schrieb Kohl, lege er alle Ämter bei der Hannelore-Kohl-Stiftung nieder. "Ich verbinde dies mit der ausdrücklichen Bitte, den Namen meiner verstorbenen Ehefrau Hannelore als Stiftungsnamen nicht fortzuführen." Er werde die Stiftung fortan nicht mehr unterstützen und bei Gelegenheit darauf hinweisen, dass sie "in ihrer derzeitigen Verfassung nicht mehr die Interessen meiner verstorbenen Frau Hannelore repräsentiert". Dass es solche Gelegenheiten geben wird, steht zu erwarten.

Auf seine alten Tage wird Kohl noch einmal sehr grundsätzlich. Er kappt die Beziehung zu einer Stiftung, die segensreich gearbeitet hat und sich vor allem um Menschen mit schweren Hirnverletzungen kümmert. "Ich kann diesen Schritt von Herrn Kohl nicht nachvollziehen", sagt das Gründungsmitglied Professor Klaus Mayer, 82. Die Stiftung werde auf den Namen Hannelore Kohl nicht verzichten, erklärt der Neurologe. "Das sind wir Frau Kohl schuldig." Vor ihrem Freitod habe ihn die erste Frau des Altkanzlers in einem Abschiedsbrief gebeten, die gemeinsame Arbeit fortzuführen.

Es ist also - alles in allem - eine sehr unglückliche Geschichte. Eine Rolle spielt auch eine Dame, die in bunten Blätter "Charity-Lady" oder "Mrs Moneypenny" genannt wird, viel blonder als Frau Kohl ist und sich selbst als "moderne Bettlerin" bezeichnet: Im Frühsommer 2002 wurde Ute-Henriette Ohoven Präsidentin der Stiftung. Bei ihrer Amtseinführung erklärt sie: "Die Nachfolge eines so einzigartigen Menschen" wie Hannelore Kohl anzutreten, sei für sie "eine große Herausforderung und Ehre". Deshalb habe sie "der Bitte von Helmut Kohl entsprochen", die Aufgabe zu übernehmen.

Eigentlich haben Kohl und Frau Ohoven nie so ganz zueinander gepasst. Aber die Wahrheit ist, dass der Kreis der Bewerberinnen für das Amt nach dem Tod von Hannelore Kohl und nach der Parteispendenaffäre des Altkanzlers sehr überschaubar war, und dass er glaubte, die Sonderbotschafterin der Unesco - was sie ebenso ist wie Konsulin der Republik Senegal - sei ein Ass im Sammeln von Spenden.

Leute, die viel Geld für gute Zwecke besorgen können, haben Kohl immer imponiert. Geld, das er früher "Dubbes" nannte, war für ihn nie ein Zweck, aber immer ein wichtiges Mittel.