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Klimaschutz:Auf die Straße statt in die Schule

Bundesweit protestieren mehrere tausend Schüler für eine bessere Umweltpolitik. Und die jungen Organisatoren der Demonstrationen haben noch mehr vor.

Schüler schwänzen für den Klimaschutz

Auch in Berlin gingen etliche Schüler am Freitag nicht zur Schule, sondern zogen mit Protestplakaten vor das Reichstagsgebäude.

(Foto: Carsten Koall/dpa)

Nein, ausgeschlafen wird an diesem Freitag nicht. Jakob Blasel, 18, schwänzt zwar die Schule - und mit ihm viele Tausende Jugendliche in ganz Deutschland. Aber der Kieler Gymnasiast steht schon am frühen Morgen vor dem Landtag am Ufer der Förde und zählt die Ankommenden, die wie er zum Schülerstreik entschlossen sind. "Mehr als 500 Schüler und Schülerinnen" seien zur Kundgebung um 8.30 Uhr da, sagt Blasel. Sie alle eint dieselbe Sorge: der Klimawandel. "Fridays for Future" steht auf dem Betttuch-Transparent, das die Demonstranten an der Spitze des Zuges tragen, als sie Richtung Rathaus starten. Und eine Warnung steht da auch: "Wir streiken, bis ihr handelt!"

Ihr, das sind die Erwachsenen, vor allem die Politiker und insbesondere die Kohlekommission, die in Berlin über einem Konzept für den Kohleausstieg brütet. Ihr müsst dafür sorgen, dass Deutschland sein Klimaziel nicht verrät, lautet die Botschaft der Schüler. Und sie fragen: Wozu sollen wir für die Zukunft lernen, wenn ihr sie mit eurer Klimapolitik verspielt? Die Erderwärmung müsse auf deutlich unter zwei Grad reduziert werden, fordert die Bewegung. In mehr als 50 Städten gehen deshalb an diesem Freitag Teenager auf die Straße statt in die Schule - so wie es ihr Vorbild, die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, schon seit Monaten vor dem Parlament in Stockholm tut. Mehr als 30 000 Teilnehmer melden die Organisatoren, allein 3500 Kinder und Jugendliche zählt die Polizei in Freiburg, 750 in München, 400 in Bremen.

Nächste Woche wollen Schüler aus ganz Deutschland in Berlin protestieren

Die ersten Proteste im Dezember waren noch bescheiden, doch die Bewegung wächst schnell. Eine Whatsapp-Kettennachricht von Kieler Schülern brachte sie unter anderem ins Rollen, seitdem entsteht Ortsgruppe nach Ortsgruppe. "Da ist überall in Deutschland Potenzial", sagt Blasel. Die Website "Fridays for Future", die er mitgebaut hat, beschreibt genau, wie Aktivisten ihren regionalen Protest organisieren können. Unterstützung kommt auch von der Grünen Jugend und Jugendumweltverbänden. "Aber das zentrale Merkmal der Bewegung ist die Eigenorganisation der Jugendlichen", sagt Marie Wahn, 22, vom Vorstand der BUND-Jugend. Auch Swen Hutter, Experte am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, findet bemerkenswert, dass die Schüler alles selbst auf die Beine stellen: "Es überrascht mich, wie schnell sie sich mobilisieren und wie viel öffentliche Aufmerksamkeit sie generieren. Das beobachten wir nicht oft bei Jugendprotestbewegungen."

Der Protestzug durch Kiel ist laut Polizei auf 600 bis 700 Schüler gewachsen, als er mittags das Rathaus erreicht. "Ein tolles Gefühl", sagt der Gymnasiast Blasel und freut sich auf nächsten Freitag. Da wollen Schüler aus ganz Deutschland in Berlin protestieren.