Kita-Tarifkonflikt:Auf dem Zahnfleisch

Die Streikdrohung offenbart, wie belastet Familien sind.

Von Ulrike Heidenreich

Berufstätige Eltern, die nach den Ferien frohgemut ihre Kinder in die Krippe brachten und dort die Warnplakate sahen, reagierten schockiert. Schon wieder ein Streik in Sicht? Ein großes Fragezeichen bei allen, die nicht die Muße gehabt hatten, Befindlichkeiten und Mitbestimmungsrechte bei Gewerkschaften en détail zu verfolgen. Die neuerlichen Verhandlungen im Kita-Tarifkonflikt haben die Familien diesmal noch nervöser gemacht. Denn die Situation ist komplexer geworden, als sie es bei den Streiks im Mai war, die Verantwortung der Verhandlungspartner noch größer.

Zum einen sind da praktische Gründe: Die Urlaubstage vieler berufstätiger Mütter und Väter sind aufgebraucht. Der gute Wille von Großeltern mitunter auch - zu oft mussten sie während der vier Streikwochen im Frühjahr einspringen. Was die Unruhe zudem verstärkte: die Ankündigung von Verdi, die Einrichtung von Notgruppen, oft der letzte Rettungsanker für Berufstätige, zu blockieren.

Hinzu kommen jetzt die Flüchtlingskinder, sie bedürfen der Zuwendung. Allein für die Kleinen unter ihnen sind Zehntausende neue Kita-Plätze nötig, hat das Familienministerium errechnet. Und die Größeren, die oft alleine und traumatisiert bei uns landen, benötigen qualifizierte, ausgeruhte Hilfe. Das geht nur mit Erzieherinnen und Sozialarbeitern, die sich wertgeschätzt fühlen, angemessen bezahlt sind - und nicht streiken müssen.

© SZ vom 30.09.2015
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