Katholische Kirche Schmerz der Aufarbeitung

Die von den Bischöfen in Auftrag gegebene Studie zeigt das Ausmaß sexueller Gewalt - und die Angst vor der Wahrheit.

Von Matthias Drobinski

Für Journalisten ist es schön, wenn sie interne Dokumente in die Hand gedrückt bekommen - für die katholische Bischofskonferenz aber ist es desaströs, dass die Ergebnisse ihrer groß angekündigten Missbrauchsstudie nun vorab in der Öffentlichkeit sind. Ihr ist die Deutungshoheit über die deprimierenden Ergebnisse aus der Hand genommen: Sexuelle Gewalt durch Priester gab es in großem Ausmaß in Deutschland, die Taten wurden oft vertuscht, die Täter selten bestraft, den Opfern noch seltener geholfen.

Und es war wohl auch Absicht, dass nun nicht zuerst die Bischöfe deuten, was da erforscht wurde. Die Weitergabe ist ein Misstrauensvotum aus dem Kreis der Wissenschaftler gegen die Auftraggeber. Es resultiert aus den Beschränkungen der Forschung: Nur ein Drittel der Bistümer öffnete alle Aktenschränke, und immer entschieden Kirchenangestellte, was an die Forscher weitergegeben wurde. Kann man sich sicher sein, dass nicht die Zusammenhänge von Zölibat, Einsamkeit, Macht und Übergriff kleingeredet werden?

Gut, dass die katholische Kirche den Missbrauch aufarbeitet, auch wenn es Schmerz bereitet. Es wäre aber besser, eine komplett von den Kirchen unabhängige Kommission hätte den Fall übernommen. Der Schmerz wäre noch größer geworden - der Glaubwürdigkeitsgewinn aber auch.