Kandidatensuche der SPD:Herrschaftswissen

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Wen die SPD als Kanzlerkandidaten nominiert, soll erst im kommenden Jahr entschieden werden. Doch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sagt, sie kenne bereits den Kandidaten ihrer Partei. Kann das stimmen?

Von Bernd Dörries

Bevor die Diskussion auf dem Podium begann, erklärte der Sprecher der nordrhein-westfälischen Landesregierung den Journalisten, warum der Zeitplan der SPD, den Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2017 im Januar zu präsentieren, ein ganz hervorragender sei. Auf dem Podium in Düsseldorf erzählte Hannelore Kraft wenig später in sehr ähnlichen Worten, warum die Kür zu Beginn des nächsten Jahres ein großartige Idee sei, die man sich durch niemanden kaputt machen lasse. Wenig später tat sie ihr Bestes, um genau das zu tun.

Auf die Frage des Moderators, ob sie denn den Kanzlerkandidaten bereits kenne, sagte Kraft einfach: "Ja". Die Rheinischen Post fasste Krafts Botschaft des Abends dann so zusammen: "Ich weiß, wer es wird, aber ich sage es Ihnen nicht." Kraft hat oft gesagt, dass sie wenig so sehr hasse, wie Berliner Personaldebatten. Sie hat sich oft darüber geärgert, dass die Machtspielchen "der da oben" dem Vertrauen in die Politik schweren Schaden zufügen würden. Nun hat sie ihren Beitrag dazu geleistet und die Debatte über die Kanzlerkandidaten der SPD wieder auf die Tagesordnung gehoben. Eigentlich sollte erst Mitte Januar entschieden werden, mit Sigmar Gabriel als demjenigen, der das erste Zugriffsrecht hat.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

Kennt sie den Kanzlerkandidaten ihrer Partei? NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft spricht in Düsseldorf mit Medienvertretern.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

In der SPD rätseln nun sehr viele, ob Kraft tatsächlich etwas weiß, was andere noch nicht wissen. Oder ob sie vor der Landtagswahl im Mai 2017 möglichst schnell Klarheit haben wollte in der K-Frage. Nicht unwahrscheinlich ist vielen in der Landeshauptstadt aber auch, dass Kraft vor allem zeigen wollte, dass sie in den Entscheidungsprozess eingebunden sei. Das war vor vier Jahren anders, damals wurde Kraft ständig gefragt, ob sie selbst einmal Kanzlerkandidatin werden wolle. Sie wurde aber nicht gefragt, als Peer Steinbrück es wurde. Das hat sie gewurmt. Mich fragt ja keiner, sagte Kraft damals. Aus solchen kleinen Demütigungen entsteht bei Kraft nicht selten eine gewisse Bockigkeit. Dann zeigt sie Fragestellern eine lange Nase. Ob sie wirklich weiß, wer Kanzlerkandidat wird, ist auch ihr dann womöglich gar nicht mehr wichtig.

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