Jugend in Indonesien Als Obama noch Soetoro hieß

Er war sechs Jahre alt, groß gewachsen für sein Alter, mit mächtigem Haarschopf und beleibt, ein Linkshänder, wie es sie hier nicht gab, als er diesen einfachen Schulhof im Süden Jakartas betrat. Bahasa sprach er nicht.

Seine Mutter Ann, eine weiße Amerikanerin aus Kansas, Anthropologin, hatte beschlossen, Honolulu zu verlassen und ihren Sohn, den sie mit einem Gaststudenten aus Kenia gezeugt hatte, mitzunehmen zu ihrem neuen Mann, einem Gaststudenten aus Indonesien, der Hals über Kopf in die Heimat zurückgekehrt war, weil man ihm das Visum entzogen hatte. Wegen politischer Gründe, von denen die Mutter nichts wusste. Sie war 24. Der Mann hieß Lolo Soetoro. Mit ihm sollte sie eine Tochter haben, Maya, Baracks geliebte Halbschwester. Er war es, der den Bub in der katholischen Privatschule Asisi einschrieb. In Indonesien hatte gerade Suharto die Macht übernommen. Er ließ Kommunisten jagen und Hunderttausende ermorden.

Eine harte Ankunft

Obama schreibt in seinem autobiographischen Buch "The Audacity of Hope": "Meine Mutter sagte später, wir hätten diese Reise nie angetreten, wenn sie gewusst hätte, was in den Monaten vor unserer Ankunft passiert war. Sie wusste es nicht." Es war eine harte Ankunft. Obama schreibt: "Wir lebten in einem bescheidenen Haus an der Peripherie der Stadt, ohne Klimaanlage, ohne Kühlschrank und ohne Spültoilette." Die Schule war offen für alle: für Kinder von Christen, Buddhisten, Hindus, Muslimen. Das junge Paar konnte sich nur diese Schule für Barry leisten. Obama beschreibt seine Schulkameraden als "Kinder von Bauern, Dienern, Schneidern und Beamten".

Die internationalen Schulen Jakartas, an denen alle Kinder von westlichen Abgesandten lernten, waren zu teuer. Lolo Soetoro war nach seiner Zwangsrekrutierung Leutnant der Armee. Das Militär zahlte schlecht. Als er seinen Stiefsohn anmeldete, ließ er bei Religion "Islam" eintragen. Das stimmte zwar nicht, Obama war immer Christ. Wahrscheinlich aber wäre es Lolo Soetoro, der 1993 starb, damals lieb gewesen, Barry wäre Muslim im mehrheitlich muslimischen Indonesien.

Einer wie er. Vielleicht war der Mann auch überrascht worden von der Frage, als sie ihm gestellt wurde. Und Obamas Mutter Ann, die sicher dabei war, schien das wohl nicht so wichtig zu sein. Wer weiß das schon. Die Mutter starb 1995. Wer konnte damals ahnen, dass es die Welt jemals interessieren würde, warum auf Seite 203 Islam steht. Dass Reporter von überall in die bescheidene Vorortsschule kommen, um dieses Registerblatt zu filmen, zu fotografieren. Und zu fragen: War er nun ein Muslim?

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