bedeckt München 24°

Johannes Friedrich im Chat:"Kirche ist nie ein Auslaufmodell"

Johannes Friedrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, über gemeinsames Abendmahl, Missbrauch und Atheisten. Der Chat in der Nachlese.

Moderator: Herzlich Willkommen zum Chat mit Landesbischof Johannes Friedrich!

Landesbischof Johannes Friedrich; dpa

"Ich hoffe, dass nach dem Tod Gott auf mich wartet": Johannes Friedrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

(Foto: Foto: dpa)

jumbojet123: Hallo Bischof Friedrich. Meine Frage an Sie: Ist Kirche nicht ein Auslaufmodell, wo doch in unserer Zeit Glaube als etwas sehr persönliches gesehen und auch gelebt wird?

Landesbischof Friedrich: Christlicher Glaube ist ohne Gemeinschaft nicht denkbar, deshalb ist Kirche, in welcher Form auch immer, nie ein Auslaufmodell.

gromith: Herr Friedrich, warum finden so viele Menschen die Kirche unattraktiv, wenn sie doch eigentlich nur Gutes verspricht, und warum lohnt sich Ihrer Meinung nach der Glaube an Jesus?

Landesbischof Friedrich: Da kann man eine Doktorarbeit dazu schreiben. In Kürze: Leider wissen viele Menschen viel zu wenig, wie attraktiv Kirche in Wirklichkeit für moderne Menschen ist. Durch meinen Glauben an Jesus lebe ich sehr fröhlich und getrost auch in schwierigen Lebenssituationen, weil ich dort Halt und Geborgenheit finde

mircomeyer: Herr Friedrich, Sie sagten eben, christlicher Glaube ist ohne Gemeinschaft nicht denkbar. Warum? Ob ich glaube oder nicht ist doch eine absolut persönliche, individuelle Entscheidung!

Landesbischof Friedrich: Ja, Sie haben recht. Glaube ist eine persönliche Entscheidung. Aber von Gott und Jesus wissen wir nur durch andere Menschen und der Heilige Geist kann vor allem im Gespräch mit anderen Menschen wirken. Darum sind Gespräch über den Glauben absolut wichtig, man kann das nicht alles nur in seinem eigenen Kopf abmachen

GegenPapst: Was spricht dagegen ungläubig zu sein?

Landesbischof Friedrich: Gut, jeder kann sich frei entscheiden. Aber ich denke: Mein Glaube ist eine große Bereicherung für mich, die mir das Leben leichter und fröhlicher macht.

peti87: Lieber Herr Friedrich, was bedeutet der erste Auftritt von Frau Käßmann für die Evangelische Kirche?

Landesbischof Friedrich: Ich freue mich, dass Frau Käßmann sich entschieden hat, in München dabei zu sein. Ihre Stimme ist für unsere Kirche unverzichtbar und sie wird sie auch in Zukunft erheben.

cowgirl_fiffi: Gibt es in der evangelischen Kirche weniger Skandale, weil sie kein Zölibat hat? Was raten Sie der katholischen Kirche in der Hinsicht?

Landesbischof Friedrich: Eine hohe Zahl der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hängt an der hohen Zahl von katholischen Klosterschulen, die es dort - anders als bei uns - gibt. Zölibatär zu leben bedeutet nicht, von vornherein gefährdeter zu sein, aber ich glaube, es ist dringend notwendig, dass in der Ausbildung und Begleitung von zölibatär lebenden Menschen das Thema Sexualität stärker beachtet und bearbeitet wird.

cowgirl_fiffi: Was würden Sie Walter Mixa am liebsten sagen? Wie ist Ihr Kommentar zu den Vorfällen, in die er verwickelt ist?

Landesbischof Friedrich: Ich denke Bischof Mixa hat die richtige Konsequenz aus der Diskussion der letzten Wochen gezogen. Mehr will ich dazu öffentlich nicht sagen.

peti87: Und welche Rolle hatte Frau Käßmann ihrer Meinung nach für die Kirche und welche Auswirkung hatte ihr Rücktritt???

Landesbischof Friedrich: Der Rücktritt von Frau Käßmann hat in der breiten Öffentlichkeit das Vertrauen in ihre Integrität und die der Kirche gestärkt. Wir brauchen die klare Stimme von Frau Käßmann zur Fragen der Zeit auch weiterhin.

mircomeyer: Das Motto des Kirchentages ist ja "Hoffnung". Worauf hoffen Sie?

Landesbischof Friedrich: Ich hoffe erst mal auf gutes Wetter. Im Ernst: Ich hoffe, dass mein Vertrauen in die Liebe Gottes mich mein Leben lang stärkt und auch nach dem Tod Gott auf mich wartet.

Auf der nächsten Seite: Landesbischof Friedrich sagt, wo wir heute ohne Atheisten und Aufklärung wären - und spricht über die Abmachungen zum gemeinsamen Abendmahl.

Margot Käßmann

Stationen einer Karriere