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Italien:Renzis Finale

Die Kommunalwahlen liefen nicht allzu gut für den Premier.

Von Oliver Meiler

Italiens Premierminister Matteo Renzi wollte eigentlich schweigen, als gingen ihn die Kommunalwahlen, die in 1342 Gemeinden abgehalten wurden, nichts an. Er kümmere sich um nationale Angelegenheiten, sagte er vor der Wahl immer wieder. Doch erstens lag Renzi das Schweigen noch nie. Zweitens werden in Italien auch Lokalwahlen immer zu nationalen Tests erhoben, zumal, wenn auch in den großen Städten gewählt wird wie jetzt in Rom, Mailand, Turin, Neapel.

Und so redete Renzi nach dem ersten Wahldurchgang vom Sonntag erstaunlich viel und kommentierte jedes Resultat. Gelassen wirkte er jedenfalls nicht. Denn die erste Runde war eine Enttäuschung für seinen Partito Democratico. Kein völliges Desaster zwar, aber es hätte für die Sozialdemokraten auch viel besser kommen können. In Rom liegen sie weit zurück; in Mailand ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen; in Turin stehen Renzis Genossen weniger fest als erwartet. In Neapel ist die Partei nicht einmal in der Stichwahl dabei. Er sei nicht zufrieden, sagte Renzi. Und das war wohl ein Euphemismus.

Dennoch: Stichwahlen sind wie Finale. Renzi sagt: "Wir beginnen bei null zu null." Gewinnt die Linke Mailand oder Rom (oder beide), wäre alle Enttäuschung weg. Verliert sie aber die Hauptstadt und die wichtigste Wirtschaftsmetropole des Landes, was durchaus möglich ist, dann hätte Matteo Renzi plötzlich sehr, sehr viel zu erklären.

© SZ vom 07.06.2016
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