Italien Ein Platzhalter, mehr nicht

Der neue Premier darf nur so lange bleiben, bis Renzi zurückkehrt.

Von Oliver Meiler

Italien erhält einen neuen Premierminister, der dem alten sehr ähnelt - wenigstens politisch: Paolo Gentiloni folgt auf Matteo Renzi. Vom bisherigen Außenminister heißt es, er sei ein "Super-Renzianer", ein Weggefährte der ersten Stunde: dieselbe Linie, immer loyal. Wahrscheinlich ist das der wichtigste Grund, warum es Gentiloni nach einer recht bescheidenen, eher unauffälligen politischen Karriere nun an die Macht schafft.

Die Berufung ist ein Coup des Vorgängers. Renzi hat nun nicht vor, die Politik zu verlassen, wie er das mal verheißen hatte für den Fall, dass er das Verfassungsreferendum verliere. Eben erst zurückgetreten, bereitet er sich bereits auf die kommenden Wahlen vor. Und die werden wohl vor dem regulären Ende der Legislaturperiode stattfinden. 2017 schon. In der Zwischenzeit sitzt ein Vertrauter im Palazzo Chigi, der weder die Ambition noch das Charisma hat, Renzi herauszufordern.

Doch ob das reicht für eine triumphale Rückkehr? In seiner Partei, die Renzi als Generalsekretär leitet, laufen die Abrechnungen an. Manche haben Renzi noch nie gemocht, andere halten ihn nach der Niederlage an der Urne für eine Hypothek. Doch alle Umfragen zeigen, dass kein anderer Parteipolitiker im Land beliebter ist. Die Werte stiegen in den vergangenen Tagen noch an, weil er konsequent war und zurücktrat. Und so leuchtet Renzis Stern vorerst ein bisschen weiter, mit gütiger Erlaubnis vom neuen Premier.