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Iran:"Vorfall" in Atomanlage

Ein im Bau befindliches Gebäude in der Nähe der iranischen Atomanlage Natans ist nach Angaben eines Sprechers bei einem "Vorfall" beschädigt worden. Der Zentrifugenbetrieb der Urananreicherungsanlage habe am Donnerstag keinen Schaden erlitten und es sei keine Radioaktivität ausgetreten, sagte der Sprecher Behrus Kamalwandi von der Atomenergieorganisation Irans. Er beschrieb das betroffene Gebäude als "industriellen Schuppen", das überirdisch sei und kein Bestandteil der Anreicherungsanlage. Es bestehe kein Grund zur Sorge, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Bislang waren keine Bauarbeiten bei Natans bekannt gegeben worden. Das Atomzentrum befindet sich etwa 250 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran. Zu Natans gehören unterirdische Einrichtungen, die von 7,60 Meter dickem Beton bedeckt sind, der Schutz vor Luftangriffen bietet. Der Gouverneur der Stadt Natans, Ramasanali Ferdowsi, beschrieb den Vorfall als "Feuer". Feuerwehrleute und Rettungsteams seien dorthin ausgerückt, sagte er laut der halboffiziellen Agentur Tasnim. Natans gehört zu den Anlagen, die auf Basis des Atomabkommens zwischen Iran und mehreren Weltmächten von der Internationalen Atomenergiebehörde überwacht werden. Die IAEA beantwortete eine Anfrage zu dem Vorfall zunächst nicht. In Natans wird Uran mithilfe von Zentrifugen angereichert. Laut IAEA reichert Iran Uran derzeit auf 4,5 Prozent spaltbaren Materials an und damit stärker als im Atomabkommen erlaubt. Für Atomwaffen ist allerdings eine Reinheit von 90 Prozent erforderlich. In der Vergangenheit waren Zentrifugen in Natans durch das Stuxnet-Computervirus zerstört worden, von dem weithin angenommen wird, dass es von den USA und Israel geschaffen wurde. Satellitenaufnahmen zufolge ereignete sich eine Explosion, die am Freitag Teheran erschütterte, in den Bergen im Osten Irans. Analysten glauben, dass dort ein Tunnelsystem und Anlagen für die Raketenproduktion verborgen sind. Iran hat ein Gasleck in einem "öffentlichen Gebiet" als Ursache der Explosion genannt.

© SZ vom 03.07.2020 / ap

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