Integration Flüchtlings-Knigge löst Kritik aus

Zwei Flüchtlinge lesen in Hardheim eine ausgedruckte Version des Leitfadens mit Benimmregeln für Flüchtlinge.

(Foto: dpa)
  • Die Gemeinde Hardheim in Baden-Württemberg hat Benimmregeln für Flüchtlinge veröffentlicht. Kritiker befürchten, sie könnten Vorurteile schüren.
  • Der Bürgermeister verteidigt sich gegen die Vorwürfe. Er hätte "Missstände und Apathien vermeiden wollen". Den Benimmkodex habe er auf einer Vorlage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erstellt.

Der Bürgermeister von Hardheim in Baden-Württemberg, Volker Rohm (Freie Wähler), hat die Verhaltensempfehlungen für Flüchtlinge verteidigt, die die Stadt auf ihrer Webseite veröffentlicht hatte. Er habe damit deeskalieren und aufklären wollen, sagte Rohm am Donnerstag: "Vielleicht sind manche Sätze etwas hölzern oder abgehackt, aber meine Intention war es, Missverständnisse und Antipathien zu vermeiden."

Er selbst habe auf die Verhältnisse vor Ort reagieren wollen. "Vielleicht hätte ich auch statt Deutschland Hardheim schreiben sollen", sagt Rohm. Dennoch fühlt er sich zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt und verweist auf "extrem viele positive Reaktionen", die er in den vergangenen Stunden bekommen habe. Mehr als 20 000 Mal sei der Leitfaden angeklickt worden.

"Viele Menschen äußern sich positiv, dass mal jemand, der eben nicht aus der rechten Ecke kommt, Empfehlungen aus den Alltagserfahrungen der Helfer aufgeschrieben hat", sagt der Bürgermeister. Und betont, dass diese "eine Hilfe und keine Klage" sein sollen.

Die Notdurft nicht im Park verrichten

Die Verhaltensempfehlungen habe er aus einer Vorlage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von vor drei Wochen übernommen, wo es einen Formulierungsvorschlag zum Umgang mit Flüchtlingen gegeben habe. Diesen habe er dann um "Erfahrungen der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer vor Ort ergänzt", sagt der Bürgermeister.

Überschrieben sind die Benimmregeln, die in mehreren Sprachen übersetzt wurden, mit "Liebe fremde Frau, lieber fremder Mann!". Darin werden die Flüchtlinge willkommen geheißen. Es folgen banale Belehrungen: "Deutschland ist ein sauberes Land und das soll es bleiben!", heißt es etwa. Und wenn man öffentliche Toiletten benutze, "ist es hier zu Lande üblich, diese sauber zu hinterlassen". Auch solle man Ware im Supermarkt bezahlen, bevor man sie aufmacht. Und: "Unsere Notdurft verrichten wir ausschließlich auf Toiletten, nicht in Gärten und Parks, auch nicht an Hecken und hinter Büschen."

Lesen Sie hier eine Reportage über die Gemeinde Hardheim mit SZ Plus.

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