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Großbritannien:Innenministerium droht illegalen Einwanderern per SMS

"Bitte verlassen Sie das Land": Das Innenministerium in London fordert via SMS Migranten dazu auf, Großbritannien zu verlassen. Premierminister Cameron findet das völlig okay.

Im Sommer fuhren Werbe-LKW eine unfreundliche Botschaft auf Londoner Straßen spazieren. "Illegal in Großbritannien? Geht nach Hause oder euch droht Arrest", stand auf den Seitenflächen. Nach massiver Kritik setzt das britische Innenministerium nun auf eine scheinbar diskretere Form der Kontaktaufnahme - sie verschickt SMS.

Tausenden Migranten wurde eine Textnachricht aufs Mobiltelefon geschickt, mit der Aufforderung, das Land zu verlassen. "Nachricht vom Innenministerium: Unsere Unterlagen zeigen, dass Sie möglicherweise nicht das Recht haben, länger im Vereinigten Königreich zu bleiben", hieß es in den SMS-Nachrichten. 58.000 Menschen hat die Firma Capita angeschrieben, die vom Innenministerium mit der Durchführung der Aktion betraut wurde.

Auch Briten bekommen diese SMS

Doch die Botschaft erreichte auch zahlreiche Menschen, die sich rechtmäßig im Land aufhalten. Einer von ihnen ist Suresh Grover. Er kam als Sohn afrikanischer Einwanderer nach London und arbeitet, zufälligerweise, als Bürgerrechtler für die Organisation The Monitoring Group. Er käme zwar aus Ostafrika, aber habe schon immer einen britischen Pass besessen, so Grover im Inverview mit der britischen Zeitung The Independent.

Seine erste Reaktion auf die SMS: der Griff zum Hörer. Die Dame am anderen Ende der Leitung, eine Mitarbeiterin der Firma Capita, erklärte ihm, dass die Nachricht sehr wohl für ihn bestimmt gewesen war. "Ich war wütend und gleichzeitig verwirrt, wegen meiner Arbeit als Bürgerrechtler. Aber ich denke, dass Menschen, die nicht in diesem Bereich arbeiten, diese Nachricht ernst nehmen und sich tatsächlich sorgen, dass sie nicht rechtmäßig in Großbritannien leben."

Solche Fehlbotschaften wie bei Suresh Grover sind kein Einzelfall. Laut The Independent hat es mittlerweile 200 Beschwerden von falsch kontaktierten Bürgern gegeben.

SMS-Aktion ist nicht die erste dieser Art

Kritiker glauben, dass deutlich mehr legal in Großbritannien lebende Ausländer eine SMS vom Innenministerium mit der Aufforderung zum Gehen erhalten hatten. Der Guardian hatte bereits im Januar von mehr als 170.000 SMS und E-Mails berichtet, teils mit der konkreten Aufforderung: "Sie sind gebeten, das Vereinigte Königreich zu verlassen, da sich nicht länger das Recht zum Bleiben haben."

Der konservative Premierminister David Cameron ließ über seinen Sprecher ausrichten, dass er hinter der Aktion stehe. Das Innenministerium erklärte, man unternehme "proaktive Schritte", um Menschen, die kein Recht auf Aufenthalt hätten, zu kontaktieren. "Wir glauben, wir liegen richtig, wenn wir die Ausländergesetze durchsetzen", sagte eine Sprecherin.

Doch die SMS-Aktion ist nach Meinung der Torys offenbar auch ein erster Schritt in Richtung Wiederwahl. Denn Cameron sieht sich unter enormem poltischen Druck von rechts. Die populistische Partei UKIP punktet in Umfragen mit Themen wie Übervölkerung und EU-Ausstieg. Cameron hatte in der Vergangenheit wiederholt versucht, der UKIP potenzielle Wähler abzujagen. Er will sich 2015 zur Wiederwahl stellen.

© Süddeutsche.de/dpa/liv/resi/jst
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