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Griechenland:Die Krawatte bleibt im Schrank

Premier Tsipras begrüßt die Einigung mit den Geldgebern, am Ziel ist er noch nicht: Er trug am Freitag keine Krawatte, denn diese wollte er sich erst umbinden, wenn er Griechenland aus der Krise geführt hat.

Griechenlands Premier Alexis Tsipras ist noch nicht am Ziel, auch am Freitag trug er noch keine Krawatte. Eine solche wollte er sich umbinden, wenn er Griechenland aus der Schuldenkrise herausgeführt hat, eine Lösung für den Berg an Verbindlichkeiten gefunden ist. Wer also wissen will, was Athen in den Gesprächen mit seinen Geldgebern erreicht hat, muss schauen, was Tsipras zum Hemd trägt. Freitag war kein Krawattentag.

In der Nacht zuvor hatten sich die Gläubiger mit Athen auf neue Kredite verständigt. Die Euro-Finanzminister billigten die Auszahlung von 8,5 Milliarden Euro. Damit bleibt Griechenland flüssig. Aber eine Einigung auf konkrete Schuldenerleichterungen, auf die Tsipras gehofft hatte, gab es auch diesmal nicht. Der Premier versuchte dem Ergebnis das Beste abzugewinnen. Sie sei ein Vertrauenssignal an die Märkte, sagte er. "Wir haben den entscheidenden Schritt für den Ausweg des Landes aus der Wirtschaftskrise gemacht." Tsipras fühlt sich darin bestärkt, dass sein Land das dritte Rettungsprogramm planmäßig 2018 verlassen könne. Sein Finanzminister Euklid Tsakalotos teilte den Optimismus. "Ich fühle mich besser als vor einer Woche", sagte er. Die regierungsfreundliche Presse war euphorischer. Sie sieht bereits "den Anfang vom Ende des griechischen Dramas".

Die Opposition im Land kritisierte dagegen, dass Tsipras wieder einmal die selbstgeweckten Erwartungen nicht habe erfüllen können. Überhaupt war die Regierung am Freitag bemüht, die weiter ungeklärten Fragen zu Schuldenerleichterungen in den Hintergrund zu drängen. Schon vor dem Treffen hatte sich abgezeichnet, dass die Gläubiger nicht bereit sind, zum jetzigen Zeitpunkt ein klareres Konzept für weitere Schuldenerleichterungen zu vereinbaren. Dies dürfte vor allem auf den Widerstand Deutschlands zurückzuführen zu sein, wo im September gewählt wird.

Als Erfolg wertete die Regierung in Athen, dass sich die Gläubiger zumindest auf eine Wachstumsklausel verständigten, die der neue französische Finanzministers Bruno Le Maire ins Spiel gebracht hatte: Sollte die griechische Wirtschaft deutlich wachsen, zahlt Athen mehr Schulden zurück. Kommt es zu einer Flaute, sollen Athen Erleichterungen zugestanden werden.