bedeckt München

Golf-Region:Sommer der Drohungen

Umfangreiche Reisebeschränkungen belasten das Verhältnis zu den anderen Golfstaaten: Katarerin in Doha.

(Foto: Kamran Jebreili/AP)

Katar weist die 13-Punkte-Liste seiner Nachbarländer zurück. Saudi-Arabien droht mit dem Ausschluss aus dem Golfkooperationsrat.

Von Paul-Anton Krüger, Doha

Die Regierung in Katar hat die Forderungen zurückgewiesen, die Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten zur Bedingung für ein Ende der Blockade des Golfemirats erhoben haben. Noch arbeitet das Außenministerium in Doha an einer offiziellen Antwort, die Kuwait übergeben werde, das als Vermittler fungiert. Regierungssprecher Saif al-Thani machte klar, dass die Forderungen unannehmbar seien. Er verwies auf US-Außenminister Rex Tillerson, der verlangt hatte, sie müssten "vernünftig und umsetzbar" sein. Bislang seien sie "schwer zu erfüllen", so das US-Außenministerium. Katar und die vier Golfstaaten sollten "ihre Rhetorik abmildern". Die 13 Punkte umfassende Liste bestätige, was Katar von Beginn an gesagt habe, so al-Thani. "Die illegale Blockade hat nichts mit der Bekämpfung von Terrorismus zu tun. Sondern es geht darum, die Souveränität Katars einzuschränken und unsere Außenpolitik zu bestimmen".

Die Türkei und Iran bezogen am Sonntag nachdrücklich Stellung an der Seite Katars. Teherans Politik ziele darauf ab, die Beziehungen zu Katar "immer weiter zu entwickeln", sagte der iranische Präsident Hassan Rohani. Riad, Abu Dhabi, Manama und Kairo verlangen unter anderem, dass Katar binnen zehn Tagen zustimmt, die Beziehungen zu Iran einzuschränken und die Militärkooperation mit der Türkei auf katarischem Boden zu beenden. Zudem soll Doha den TV-Sender al-Jazeera schließen und alle Kontakte zu Oppositionellen aus den vier Ländern abbrechen und die Muslimbruderschaft zur Terrorvereinigung erklären. Während Katar und die Türkei diese unterstützen, gelten sie den Emiraten und Ägypten als gefährlichste Gegner ihrer Regime. Der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Anwar Gargasch, spielte Szenarien herunter. Es gehe nicht um Eskalation, sondern darum, dass sich "die Wege dann scheiden", eine Andeutung, dass Katar aus dem sechs Staaten umfassenden Golfkooperationsrat ausgeschlossen werden könnte und auf lange Sicht mit der Isolation leben müsste. Er bestritt, dass ein Thronwechsel in Doha erzwungen werden solle. Saudi-Arabien hat die einzige Landgrenze geschlossen, die das auf einer Halbinsel im Golf gelegene Katar hat. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten sperrten ihre Gewässer und den Luftraum für katarische Schiffe und Flugzeuge. Iran und die Türkei sprangen ein mit Lebensmittellieferungen. Von Versorgungsengpässen ist in Doha nichts zu spüren. Auch hat die Blockade eher dazu geführt, dass sich die Reihen schlossen. Viele Katarer haben Bilder des jungen Emirs Tamim bin Hamad al-Thani auf ihre Autos geklebt, Häuser sind mit katarischen Flaggen behängt, in Geschäften werden katarische Waren und solche aus "unterstützenden Ländern" angepriesen. Katar hat bei 2,7 Millionen Einwohnern nur etwas mehr als 300 000 eigene Staatsbürger, aber auch viele der in dem Emirat arbeitenden Ausländer solidarisieren sich mit dem Land.

Am Sonntag empfingen der Emir und sein Vater Regierungsmitglieder und ausländische Diplomaten anlässlich der Eid-al-Fitr-Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Die Ungewissheit über den Fortgang der Krise zeigt sich aber daran, dass Regierungsangestellte angewiesen wurden, während der Feiertage und des Sommers das Land nicht zu verlassen. Während der Festtage besuchen die Menschen in allen muslimisch geprägten Ländern Angehörige. Tausenden Katarern, die Verwandte in Saudi-Arabien oder den Emiraten haben, bleibt dies diesmal verwehrt.

Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al-Thani telefonierte mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel und dem Italiener Angelo Alfano. Der Außenminister der Emirate hatte eine Vermittlung europäischer Staaten allerdings abgelehnt. Und an einer amerikanischen Rolle dieser Art weckte das Weiße Haus neue Zweifel: Der Streit sei eine "Familienangelegenheit" der Golfstaaten, hieß es. Präsident Donald Trump hatte sich auf die Seite Riads geschlagen, während sein Außen- und Verteidigungsminister versuchen zu schlichten.

© SZ vom 26.06.2017
Zur SZ-Startseite