Alternativer Nobelpreis:Kämpfer für eine bessere Welt

Auszeichnungen für einen chinesischen Solarunternehmer, eine Menschenrechtlerin aus dem Tschad, eine US-amerikanische Hebamme und eine Bauernhilfsorganisation. Die "Right Livelihood Award Foundation" ehrt in diesem Jahr wieder Menschen, die "praktische und beispielgebende Antworten" auf drängende gesellschaftliche Fragen geben. Die diesjährigen und frühere Preisträger in Bildern.

15 Bilder

Green China

Quelle: SZ

1 / 15

Die Stiftung Right Livelihood Award Foundation hat verkündet, wer die Alternativen Nobelpreise 2011 erhält. Damit ehrt sie jedes Jahr Personen oder Organisationen, die sich um Umweltschutz, den friedlichen Ausgleich sozialer Spannungen und die Verteidigung der Menschenrechte verdient gemacht haben.

Zum ersten Mal geht ein Right Livelihood Award nach China: Im Gegensatz zu den dotierten Auszeichnungen erhält der Solarunternehmer Huang Ming einen undotierten Ehrenpreis für Pionierleistungen im Bereich klimafreundlicher Solarenergie. Der 53-Jährige zeige "mit seinem herausragenden Erfolg, wie dynamische Schwellenländer dazu beitragen können, die globale Krise des von Menschen verursachten Klimawandels zu überwinden", begründete das Komitee. Huang ist Chef des größten Unternehmens für solarthermische Anlagen und selbsternannter "Solarkönig" Chinas. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2009 vor einem Modell des "Utopia Garden", in dem jede Wohnung ihr Heißwasser aus Sonnenwärme bezieht.

Foto: Henrik Bork

-

Quelle: AFP

2 / 15

Eine weitere Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises 2011 ist die Anwältin Jacqueline Moudeina aus dem Tschad. Die Auszeichnung für die 54-Jährige gilt ihrem "unermüdlichen Einsatz unter großem persönlichen Risiko, damit den Opfern von Tschads ehemaliger Diktatur Gerechtigkeit widerfährt", begründete das Komitee. Auch ihre Bemühungen, das Bewusstsein für und die Achtung der Menschenrechte in Afrika zu stärken, lobte die Right Livelihood Awards Foundation. Selbst nachdem Moudeina im Juni 2001 während einer friedlichen Demonstration für Kinder- und Frauenrechte von einer Handgranate verletzt worden war, setzte sie ihr Engagement im Tschad fort. "Ich habe eine Aufgabe übernommen, die ich zu Ende führen will", sagte sie.

Internationale Bauernhilfsorganisation Grain

Quelle: Grain

3 / 15

Die internationale Nichtregierungsorganisation Grain (Genetic Resources Action International) erhält in diesem Jahr einen Right Livelihood Award, "weil ihre weltweite Arbeit die Lebensgrundlage und Rechte bäuerlicher Gemeinschaften schützt". Die Bauernhilfsorganisation mit Sitz in Barcelona setzt sich für Kleinbauern ein. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, den massiven Aufkauf von Ackerland in Entwicklungsländern durch ausländische Finanzinvestoren zu entlarven. Auf dem Bild aus dem Jahr 2008 sind Henk Hebbelink (links) und Jeanne Zoundjihékpon (Mitte) von Grain im Gespräch mit argentinischen Farmern zu sehen.

Ina Mae Gaskin, Jen Mayer

Quelle: AP

4 / 15

Auch die 71-jährige Ina May Gaskin wird 2011 ausgezeichnet. Die US-amerikanische Hebamme sei eine Frau, die "Geburtsmethoden lehrt und verbreitet, die Frauen in den Mittelpunkt stellen und die körperliche wie geistige Gesundheit von Mutter und Kind fördern", teilte die Right Livelihood Awards Foundation mit. In Tennessee gründete sie mit ihrem Mann Stephen, der 1980 den Alternativen Nobelpreis erhielt, die Kommune The Farm. Dort baute Gaskins mit anderen Hebammen 1971 eines der ersten amerikanischen außerklinischen Geburtszentren auf. Dort lag die Kaiserschnitt-Rate im Jahr 2005 bei nur drei Prozent gegenüber 30 Prozent im Landesdurchschnitt. Gaskin setzt sich für eine Hebammenausbildung ein, bei der mehr Wert auf natürliche Hilfen bei Entbindungen gelegt wird. Sie ist gegen den Einsatz von immer mehr Pharma-Präparaten.

Alternativer Nobelpreis Nnimmo Bassey

Quelle: Right Livelihood Award Foundatio

5 / 15

Im vergangenen Jahr war der Nigerianer Nnimmo Bassey einer der Preisträger. Er ist Leiter von Friends of The Earth Nigeria und gilt als einer der profiliertesten Umweltschützer Afrikas. Er kämpft gegen Schäden durch rücksichtslose Ausbeutung von Öl und anderen Bodenschätzen in afrikanischen Ländern. Während in den USA jeder Ölaustritt zu gewaltigen Protesten führe, seien grobe Verschmutzungen im Nigerdelta an der Tagesordnung, sagt er. Seine Organisation klagt für arme Dorfgemeinden vor Gericht, verbreitet Berichte über Ölaustritte und macht Druck, damit die Umweltschäden beseitigt werden.

Shrikrishna Upadhya

Quelle: Right Livelihood Award Foundatio

6 / 15

Geehrt wurde 2010 auch der Nepalese Shrikrishna Upadhya. Seit 1991 fördert er mit seiner Organisation Sappros die Selbsthilfe armer Menschen in ländlichen Gebieten Nepals - etwa mit Alphabetisierungsprogrammen, Trinkwasserbeschaffung und Mikro-Krediten.

Die weiteren Right Livelihood Awards gingen im vergangenen Jahr an die Mediziner für Menschenrechte-Israel (PHRI), eine Ärzteorganisation, die sich um Menschen in besetzten palästinensichen Gebieten kümmert, sowie an Bischof Erwin Kräutler. Der gebürtige Österreicher lebt und arbeitet in Brasilien, wo er sich für die Rechte der indianischen Ureinwohner und die Erhaltung des Regenwaldes einsetzt.

Alyn Ware dpa Alternativer Nobelpreis

Quelle: SZ

7 / 15

2009 ging der Alternative Nobelpreis unter anderem an den neuseeländischen Pädagogen Alyn Ware. Er wurde für seinen Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt ausgezeichnet. Ware entwickelt seit mehr als 25 Jahren in seiner Heimat und im Rahmen der Vereinten Nationen Erziehungsprogramme und Kampagnen zur nuklearen Abrüstung. Der ausgebildete Volksschullehrer sei einer der "engagiertesten Friedensaktivisten", erklärte die Right Livelihood Stiftung.

Foto: dpa

Catherine Hamlin Alternativer Nobelpreis Foto: dpa

Quelle: SZ

8 / 15

Neben Ware erhielt 2009 auch Catherine Hamlin einen Alternativen Nobelpreis. Die heute 87-jährige australische Gynäkologin hat mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann ein Krankenhaus in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gegründet. Dort behandelt sie Frauen, die an Geburtsfisteln leiden.

Weitere Preisträger waren 2009 der kanadische Wissenschaftler und Moderator David Suzuki, der für seine Aufklärungsarbeit in Sachen Klimawandel geehrt wurde, und der Kongolese René Ngongo. Der Biologe und Ökologe ist Gründer der Umweltorganisation Ocean und kämpft für den Schutz des Regenwaldes.

Foto: dpa

Monika Hauser, Gynäkologin Köln, Alternativer Nobelpreis 2008, AFP

Quelle: SZ

9 / 15

Im Jahr 2008 erhielt die Kölner Ärztin Monika Hauser den Right Livelihood Award. 1993 hatte sie während des Bosnien-Krieges ein Zentrum zur medizinischen Betreuung von Vergewaltigungsopfern gegründet. Daraus entwickelte sich in der Folgezeit die Organisation Medica Mondiale, die misshandelte Mädchen und Frauen in Krisengebieten medizinisch und psychologisch betreut.

Foto: AFP

Krishnammal Jagannathan, Aktivistin Indien, Alternativer Nobelpreis 2008, AFP

Quelle: SZ

10 / 15

Ebenfalls 2008 wurde die indische Aktivistin Krishnammal Jagannathan gemeinsam mit ihrem Mann Sankaralingam für ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Das Ehepaar hat 1981 die Organisation Lafti (Land for the Tillers' Freedom) gegründet, die sich für die Rechte der Landlosen einsetzt. Beide waren an der indischen Unabhängigkeitsbewegung beteiligt und stehen in der Tradition der Gewaltlosigkeit von Mahatma Gandhi.

Weitere Preisträger 2008: die somalische Frauenrechtlerin Asha Hagi und die amerikanische Journalistin Amy Goodman.

Foto: AFP

"ALTERNATIVER NOBELPREIS"  SCHEER UND  GRASS

Quelle: DPA

11 / 15

1999 bekam ein Deutscher den Alternativen Nobelpreis: Hermann Scheer (links) wurde für seinen Einsatz für erneuerbare Energien geehrt. Seine Organisation Eurosolar setzt sich insbesondere für die Nutzung von Sonnenenergie ein. Scheer starb im Oktober 2010 nach kurzer schwerer Krankheit. Das Bild zeigt den Aktivisten 1999 mit dem Literaten Günther Grass, der im selben Jahr den Literaturnobelpreis erhielt.

Astrid Lindgren

Quelle: REUTERS

12 / 15

Den Nobelpreis für Literatur bekam die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (1907-2002) nie - was viele für ein grandioses Versäumnis des Komitees halten. 1994 zeichnete sie die Right Livelihood Award Foundation jedoch mit dem Alternativen Nobelpreis aus. "Weil sie sich durch ihre einzigartige Art zu schreiben für die Rechte von Kindern und mehr Respekt vor ihrer Einzigartigkeit einsetzt", hieß es in der Begründung.

Nobel Peace prize winner Wangari Maathai poses for photographers in Nairobi

Quelle: REUTERS

13 / 15

Wangari Maathai, die am 25. September 2011 in Nairobi gestorben ist, erhielt im Lauf ihres Lebens zwei Nobelpreise: 2004 wurde die Wissenschaftlerin, Umweltaktivistin und Gründerin des Green Belt Movement als erste Afrikanerin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, bereits 20 Jahre zuvor mit dem Right Livelihood Award. Sie kämpfte in Kenia für die Gleichberechtigung der Frauen, nachhaltige Entwicklung, Frieden und Demokratie.

-

Quelle: AP

14 / 15

Die deutsche Politikerin Petra Kelly (1947-1992, im Bild 1987 mit Otto Schily) bekam den Alternativen Nobelpreis1982. Damit ehrte die Stiftung ihr Engagement für Umwelt- und Friedenspolitik. Als Gründungsmitglied der Partei Die Grünen trug Kelly dazu bei, dass beiden Themen zunächst in Deutschland und später in vielen anderen Ländern eine große Bedeutung beigemessen wurde. Die Medien bezeichneten sie als "die bekannteste Grüne der Welt".

UEXKUELL

Quelle: AP

15 / 15

Der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll (im Bild) gründete die Stiftung Right Livelihood Award Foundation, weil ihm der Fokus des traditionellen Nobelpreises zu begrenzt und auf die Interessen von Politik und Industrie ausgerichtet war. 1980 wurde der sogenannte Alternative Nobelpreis erstmals verliehen. Preisträger waren damals der ägyptische Architekt Hassan Fathy (1900-1989), der sich um die Lebensräume der Armen verdient gemacht hat, und der Amerikaner Stephen Gaskin, Gründer der Hilfsorganisation Plenty.

© sueddeutsche.de/bavo/lyb/dpa/dapd/AFP/mcs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB