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Geoblocking:Heimkino ohne Grenzen

Die digitalen Schlagbäume werden abgebaut: Online-Abodienste wie Sky und Netflix sollen von 2017 an EU-weit nutzbar sein. Das soll aber nicht für ARD und ZDF gelten.

Es gibt ja fast niemanden mehr, der nicht ständig auf irgendeinen Bildschirm starrt. Im Büro ist das schon lange zu beobachten, abends auf der Couch sowieso. Und in der Zeit dazwischen muss man aufpassen, dass man nicht von Menschen über den Haufen gerannt wird, die auf der Straße pausenlos in ihr Smartphone gucken, statt auf den Verkehr zu achten. Das Schlimmste, was diesen Zeitgenossen passieren kann, wäre neben einem Unfall vor allem eines: dass der Bildschirm ihres Geräts schwarz bleibt.

Wer schon einmal im europäischen Ausland Bundesligaspiele bei Sky oder eine Fernsehserie bei Netflix anschauen wollte, kennt das Problem: kein Empfang. Schwarzer Kanal. Großer Ärger. Und dann die Frage: Warum hat man für ein Abo bezahlt, das man auf Auslandsreisen gar nicht nutzen kann? In Europa gibt es eben immer noch digitale Grenzen. Und an die stößt jeder, der bestimmte Video- oder TV-Streamingdienste im EU-Ausland nutzen will. Geht es nach der Europäischen Kommission sollen diese geografischen Zugangsbeschränkungen (Fachwort: Geoblocking) im Jahr 2017 abgeschafft werden.

Die digitalen Schlagbäume wurden einst von Filmverleihen und Sportveranstaltern errichtet. Sie vermarkten ihre Lizenzrechte in jedem Land einzeln. Und so gibt es etwa auch in Spanien oder Griechenland Anbieter, die Bundesligaspiele live zeigen. Deutsche Urlauber können sich diese natürlich in dortigen Sportbars anschauen, aber nicht auf ihrem Tablet, das sie dabeihaben. Die Anbieter können nämlich anhand der IP-Adresse erkennen, in welchen Land sich ein Internetnutzer aufhält. Diese Adresse ist so etwas wie ein Kennzeichen für Rechner im Netz und wird vom jeweiligen Verbindungsanbieter vergeben, der eine Länderkennung in den Zahlencode integrieren muss. Damit kann ein Unternehmen den Standort des Nutzers bestimmen - und schon wird der Bildschirm schwarz.

Nach den Plänen der EU-Kommission wird es auch künftig Ausnahmen vom grenzenlosen Videokonsum geben. Das neue Gesetz soll nur für all jene gelten, die einen Vertrag mit einem Streamingdienst geschlossen haben und mit ihrem Wohnort angemeldet sind. Die "Sportschau" in der ARD oder ein Hollywood-Film im ZDF zählen deshalb nicht dazu. Und wer dauerhaft im Ausland lebt, muss dort ein Abo abschließen. Da es aber zum Beispiel Netflix nicht in jedem EU-Land gibt, versuchen schon heute viele, die digitalen Schranken auszutricksen. Im Internet finden sich Anleitungen, wie man dem Videodienst über Browser-Erweiterungen und VPN-Dienste (Virtual Private Network) vorgaukeln kann, er habe es mit einem Nutzer aus einem anderen Land zu tun.

Wer allerdings für Inhalte bezahlt, kann sich freuen, wenn die EU-Staaten und das Europaparlament dem Kommissionsvorschlag zustimmten. Der Behörde zufolge ist es für 60 Prozent der jungen Europäer (15 bis 24 Jahre) wichtig, dass sie Online-Abo-Dienste grenzüberschreitend nutzen können. Die EU-Kommission geht davon aus, dass diese Angebote im Jahr 2020 von 72 Millionen EU-Bürgern genutzt werden dürften. Bereits heute wären es immerhin 29 Millionen Menschen, deren Bildschirm nicht mehr schwarz bliebe.