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Frankreich:Schäbiges Kalkül

Das Elend der Flüchtlinge in Paris soll abschreckend wirken.

Unter Kontrolle" wolle er die Migrationspolitik bekommen, sagt Frankreichs Premier Édouard Philippe. In Paris wird man relativ einfach überprüfen können, ob dieses Versprechen ernst gemeint ist. Denn Kontrolle müsste auch bewirken, dass die Versorgung von Flüchtlingen funktioniert. Auf den Bürgersteigen der Hauptstadt kann man eindrücklich das Gegenteil sehen.

Entlang der Stadtautobahn, an den verarmten Rändern der Metropole, schlafen Tausende Asylbewerber in Zelten. Darunter sind Familien, sogar Babys. Hilfsorganisationen schätzen, dass zwei Drittel dieser Obdachlosen einen Asylantrag gestellt haben. Sie wollen nicht unter dem Radar des Systems verschwinden, sie warten darauf, endlich von dem System erfasst zu werden.

Das Elend der Flüchtenden entgeht niemandem. Und wird doch ignoriert. Allen voran von der Regierung, die sich auf der Position ausruht, die Stadt Paris sei dafür verantwortlich, wie sie die Menschen versorgt. Tatsächlich sind die unwürdigen Zustände jedoch Teil des Abschreckungskalküls: Wenn wir die Flüchtenden schlecht genug behandeln, werden sie irgendwann wegbleiben. Diese Rechnung aber geht nun seit Jahren nicht auf - und wird von Kindern bezahlt, die im beginnenden Winter ohne Schutz in der Gosse leben müssen.

© SZ vom 07.11.2019
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