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Frankreich:"Nichts mehr ausschließen"

Coronavirus in Frankreich: Geschlossene Bar in Paris

Bald auch geschlossen, so wie bereits viele Bars? Bistro in Paris.

(Foto: Gonzalo Fuentes/Reuters)

Vor einer Macron-Rede werden größere Einschränkungen erwartet.

Von Nadia Pantel

Man könne "nichts mehr ausschließen", wenn man sich die aktuelle Situation in den Krankenhäusern anschaue, sagte Frankreichs Premier Jean Castex am Montag. 30 Prozent der Betten in den Intensivstationen des Landes sind derzeit von Covid-19-Patienten belegt, in der Metropolregion Paris sind es fast 40 Prozent. Wenn die Infektionswelle nicht abflacht, werden die Krankenhäuser spätestens am 24. Oktober ihre Belastungsgrenze überschreiten, heißt es von den Klinikleitungen. Fünf Monate nach Ende der ersten 55-tägigen Ausgangsverbote steht Frankreich vor der Frage, ob neue, stärkere Beschränkungen nötig sind, um das Virus einzudämmen.

Am Mittwochabend wird Präsident Emmanuel Macron eine Rede halten, Medien spekulieren bereits über die Verhängung einer Sperrstunde. Bars und Cafés sind in den meisten Großstädten bereits geschlossen, eine umfassende Maskenpflicht, auch draußen, gilt seit September. Die Spekulationen werden zusätzlich dadurch angeheizt, dass die Regierung in der Corona-Krise keinen klaren Kurs verfolgt. Der Lockdown im Frühjahr war einer der strengsten Europas, gleichzeitig scheitert die Regierung daran, effiziente Mittel zur Rekonstruktion der Infektionsketten zu entwickeln. Nicht einmal der Premierminister nutzte die gefloppte Corona-App, die Frankreich als nationales Prestigeprojekt im Alleingang entwickelte. Getestet wird inzwischen zwar im Akkord, nur dauert es bis zu einer Woche, bis Resultate vorliegen. Aktuell sind elf Prozent der Getesteten mit Corona infiziert, in Paris sind es sogar fast 17 Prozent.

© SZ vom 14.10.2020
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