Frankreich Ein Video löst Entsetzen aus

Demonstranten rufen Polizisten zum Suizid auf.

Bei Protesten der Gelbwesten in Paris wird die Spendebereitschaft für den Wiederaufbrau der Notre-Dame-Kathedrale angeprangert.

(Foto: Francisco Seco/dpa)

Ein Video mit Aufrufen zur Selbsttötung an die Polizei hat in Frankreich am Osterwochenende Empörung ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft leitete am Sonntag eine Untersuchung ein wegen Beleidigung von Amtspersonen. Während der neuerlichen Gelbwesten-Proteste am Samstag in Paris hatte der Journalist Lucas Burel ein Video veröffentlicht, auf dem der Aufruf zu hören ist: "Bringt euch um." Burel schrieb dazu, einige Demonstranten hätten dies in Richtung der Polizei gerufen.

Der Innenminister verspricht eine bessere psychologische Betreuung für Polizeibeamte

Französische Politiker verurteilten den Vorfall. Innenminister Christophe Castaner sprach von einer "Schande". Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi nannte den Vorgang "abscheulich". "Dieser Hass auf die Polizei ist ideologisch und leider systematisch in den Reihen der Anarchisten", sagte die Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Frankreich ist derzeit alarmiert wegen einer extrem hohen Zahl von Suiziden unter Polizeibeamten. Innenminister Castaner hatte vor kurzem angekündigt, es werde eine bessere psychologische Betreuung für Polizisten geben.

Fünf Tage nach dem zerstörerischen Brand der Kathedrale Notre-Dame war es am Samstag bei den Gelbwesten-Demonstrationen in Paris wieder zu teilweise schweren Ausschreitungen gekommen. Franzosen protestieren seit Mitte November im ganzen Land gegen die Politik von Staatspräsident Emmanuel Macron. Am Samstag warfen Dutzende der etwa 8000 Demonstranten Steine auf Polizisten, zündeten Motorräder und Mülleimer an, Autos gingen in Flammen auf. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas und Blendgranaten. Die Polizei gab an, es habe 110 Festnahmen gegeben. Unter den Demonstranten waren etliche, die auf den Brand von Notre-Dame Bezug nahmen. Ganz Frankreich war unter Schock angesichts der brennenden Kathedrale, Wahrzeichen der Hauptstadt. Mehrere der reichsten Familien des Landes sagten sofort Spenden von mehreren Hundert Millionen Euro für den Wiederaufbau zu. Bei den Protesten gab es unter anderem das Schild eines Demonstranten mit der Aufschrift: "Millionen für Notre-Dame, aber was ist mit uns Armen?"

Mit ähnlicher Absicht demonstrierten am Montag etwa 50 Aktivisten für Obdachlose vor der Kathedrale. "Notre-Dame braucht ein Dach. - Wir auch", riefen einige in Anspielung auf das Notdach, das über der Kirche errichtet werden soll. Die Obdachlosen verweisen auf die Spendenfreude von Milliardären für Notre-Dame. "Eine Milliarde in 24 Stunden", stand auf Plakaten zu lesen. Für Obdachlose gebe es dagegen nichts.

Am Ostersonntag waren Gläubige in Paris zur Ostermesse in der Pfarrkirche Saint-Eustache zusammengekommen. Vor der Kirche bildete sich eine lange Schlange - aus Platzgründen konnten nicht alle Besucher an der Messe teilnehmen. Die Feuerwehrleute, die bei der Bekämpfung des Feuers von Notre-Dame im Einsatz waren, erwähnte der Pariser Erzbischof Michel Aupetit in seiner Predigt besonders.

Trotz der schweren Schäden und "einiger Schwachstellen" am Gewölbe ist Notre-Dame offenbar "fast gerettet", wie der französische Kulturminister Franck Riester am Samstagabend bei einer Konzertgala für den Wiederaufbau der Kirche mitteilte. Rund eine Woche nach dem Brand seien alle sensiblen Bereiche des Gotteshauses mittlerweile gesichert und stabilisiert. Vom Gewölbe müsse noch Schutt entfernt werden, bevor es mit einer Plane abgedeckt werden müsse. Wenn das passiert sei, könne man endgültig sagen, dass Notre-Dame gerettet ist, sagte Riester. Der Minister kündigte zudem an, den Brandschutz in den vielen staatlichen Kathedralen zu überprüfen.