Flüchtlingskrise Warum gibt es noch Landminen in Kroatien?

Eine freigelegte Mine im Gelände, aufgenommen nahe Benkovac in Kroatien. (Archivfoto)

(Foto: dpa)

Seit Ungarn seine Grenze für Flüchtlinge dicht gemacht hat, ist die Balkanroute nach Süden abgebogen. An der serbisch-kroatischen Grenze lauern lebensgefährliche Kriegsrelikte.

Von Paul Munzinger

Auf der Facebook-Seite "Dear Refugees - Welcome to Croatia" gibt es für Flüchtlinge eine Art Reisewörterbuch. Nützliche Sätze sind hier aus dem Arabischen und Persischen ins Kroatische, Deutsche und Englische übersetzt. Ganz oben auf der Liste, noch vor "Hallo" oder "Ich habe Durst", steht eine in Kroatien womöglich überlebenswichtige Frage: "Gibt es Landminen in diesem Teil des Landes?"

Seit Ungarn seine Grenze für Flüchtlinge dichtgemacht hat, ist die Balkanroute nach Süden abgebogen. Von Serbien versuchen jetzt Tausende Menschen über Kroatien nach Mitteleuropa zu gelangen. Doch an der serbisch-kroatischen Grenze erwarten sie nicht nur 6000 Polizisten, sondern auch lebensgefährliche Hinterlassenschaften des kroatischen Unabhängigkeitskriegs, der hier Anfang der Neunzigerjahre wütete. 20 Jahre nach dem Ende der Kämpfe sind noch immer 50 000 Landminen im kroatischen Boden vergraben, 500 Quadratkilometer des Landes noch immer vermintes Gelände.

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Für Miljenko Vahtarič vom kroatischen Minensuchzentrum Cromac ist das ein Erfolg. 1998, als Cromac mit der Entgiftung des kroatischen Bodens begann, seien noch 6000 Quadratkilometer kontaminiert gewesen. Aufzeichnungen darüber, wo die damaligen Kriegsgegner ihre Minen vergruben, gebe es nicht, entsprechend schwierig sei die Suche. Bis ganz Kroatien minenfrei ist, werden voraussichtlich noch vier Jahre vergehen. An der Grenze zu Serbien wird es nicht so lange dauern, sagt Vahtarič. 400 Minen habe man hier allein in den vergangenen zwei Monaten entschärft. Im Oktober soll die letzte unschädlich gemacht werden.

Eine Bedrohung für die Flüchtlinge sieht Vahtarič in den Minen nicht. Höchstens abseits der Wege sei es riskant, in zugewachsenem Gelände, in das sich normalerweise kein Fußgänger verirre. Dort weisen mehr als 12 000 Warnschilder auf die Gefahr hin.

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