Flüchtlingskrise:Europa muss sich einigen

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Dass Dänemark und Österreich den Zugverkehr an ihren Grenzen stoppen, liegt nur vordergründig an den Flüchtlingstrecks. Europa ist unfähig, vernünftig mit denen umzugehen, die da kommen. Es braucht ein Konzept.

Kommentar von Matthias Drobinski

Der freie Grenzverkehr ist eine große Errungenschaft Europas - man erinnert sich kaum noch an jene Zeiten, in denen es aufwendig und langwierig sein konnte, eine Grenze zu überqueren. Jetzt stoppt der große Treck der Flüchtlinge und Zukunftssuchenden diesen Grenzverkehr, erst zwischen Dänemark und Deutschland, nun zwischen Ungarn und Österreich. Wobei: Das liegt nur vordergründig an den Menschen, die da in Züge drängen oder in apokalyptisch anmutenden Szenerien auf Autobahnen marschieren. Es liegt an diesem Europa, das unfähig ist, vernünftig mit denen umzugehen, die da kommen.

Es ist müßig, den Österreichischen Bundesbahnen vorzuwerfen, sie hätten sich besser vorbereiten müssen auf den nun doch erwartbaren Ansturm auf die Züge. Das wahre Problem ist die Mischung aus Überforderung, Ignoranz und Zynismus, die Europas Flüchtlingspolitik derzeit kennzeichnet. Es sind ja Länder wie Griechenland, auch Ungarn und zum Teil selbst Italien am Rande dessen, was sie tragen können.

Es ist aber keine Lösung, auf das üble Kalkül zu setzen, dass, wer die Flüchtlinge am schlechtesten behandelt, auch die wenigsten im Land behält. Und es ist keine Lösung, wie ein kleines Kind die Augen zu schließen, in der Hoffnung, dass dann auch das weg ist, was da auf einen zukommt.

Die Menschen kommen, ob Europa das will oder nicht, Ungarns sinnloser Grenzzaun zeigt das. Und da die EU aus gutem Grund nicht Mauer und Schießbefehl einführen will wie einst die DDR, wird ihr nur übrig bleiben, sich auf ein gemeinsames Konzept zu einigen, mit einem effizienten und menschenwürdigen Aufnahmeverfahren, einem fairen Verteilschlüssel und klaren Regeln, wer zu welchen Bedingungen kommen und bleiben kann - und wer nicht; EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat gerade eins vorgeschlagen. Sonst werden noch oft die Züge stehen bleiben.

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