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Flüchtlinge:Fauler Kompromiss

Auf das Feuer im Lager von Moria reagieren Deutschland und Frankreich mit einer Mischung aus Humanität und Nichtstun.

Von Nico Fried

Frankreich und Deutschland wollen unbegleitete Minderjährige aufnehmen, die nach dem Feuer in Moria eine neue Zuflucht brauchen. Andere EU-Staaten will man gewinnen, sich zu beteiligen. Insgesamt sollen 400 Kinder und Jugendliche verteilt werden. Was mit dem Rest der Menschen geschieht - mal sehen.

400 unbegleitete Minderjährige? Andere EU-Staaten beteiligen? Kommt einem bekannt vor. Es gibt seit dem Frühjahr schon eine ähnliche Initiative für kranke Kinder und Jugendliche aus griechischen Flüchtlingslagern. Die lief so schleppend an, dass es mehrere Monate dauerte, um wenigstens mal die Zahl an Minderjährigen in Europa zu verteilen, die jetzt binnen weniger Tage aus Griechenland geholt werden sollen. Auf europäischer Ebene ist die deutsch-französische Initiative ein fauler Kompromiss aus Nichtstun und Humanität.

In Berlin ist sie ein Kompromiss zwischen den hohen, manchmal wohlfeilen Erwartungen der SPD und dem Widerstand aus der Union. Man sollte sich nichts vormachen: Forderungen aus CDU und CSU nach der Aufnahme von Flüchtlingen sind Einzelstimmen, die nur unterstreichen, dass die Mehrheitsmeinung eine ganz andere ist. Gemessen an der Stimmung in der Unionsfraktion, macht selbst ein Horst Seehofer in der Flüchtlingsfrage schon lange eine Art freundliches Gesicht.

© SZ vom 11.09.2020

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