Flüchtlinge Familie braucht Schutz

Der Staat darf eine Familie nicht absichtlich trennen.

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Es wäre ein schlimmer Fehler, die Angehörigen aus Syrien und dem Irak nicht nach Deutschland nachkommen zu lassen.

Von Bernd Kastner

Rückblickend kann man sie etwas besser verstehen. Jene, die vor zwei Jahren Angst hatten, dass via Familiennachzug zu den Hunderttausenden Flüchtlingen zwei- oder dreimal so viele kommen, Millionen womöglich. Die große Koalition hat im März 2016 den Nachzug zu jenen Flüchtlingen ausgesetzt, die nur subsidiären Schutz genießen, vor allem syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. Für eine Notlage vielleicht nachvollziehbar, falsch war es trotzdem. Wenn nun aber CDU/CSU fordern, engste Angehörige weiter fernzuhalten, ist das erst recht ein erschütternder Fehler.

Die Krisenzeit ist vorbei, die Ämter arbeiten wieder stabil. Heute weiß man, dass viel weniger Angehörige nachkommen als erwartet. Sie belasten Deutschland nicht, sie helfen Deutschland: Ein Vater, der um seine Kinder in Aleppo bangt, hat keine Kraft fürs Deutschlernen. Eine Familie dagegen, die zusammenlebt, stabilisiert sich und andere, findet sich rascher zurecht im neuen Land.

Das Abwehrgesetz war schon in der Krisenzeit ein fataler Fehler, weil die Familie viel zu bedeutend ist für politischen Handel. Dieses Gesetz hat einen Teil des ethischen Fundaments der deutschen Gesellschaft erschüttert, die Union rüttelt jetzt weiter daran. Der Staat darf eine Familie nicht absichtlich trennen. Familie gibt Schutz, Familie braucht Schutz. Das steht nicht nur in der Verfassung, das ist ein christlicher Wert.