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FinCEN-Files:Das Leak

Menschenhändler, Betrüger, Waffendealer: Jedes Jahr schleusen Kriminelle riesige Summen durch das globale Finanzsystem. Die FinCEN-Files zeigen, dass sie dabei oft ein viel zu leichtes Spiel haben.

Von Frederik Obermaier

Jeden Tag, so schätzen die Vereinten Nationen, werden durchschnittlich bis zu 5,5 Milliarden Dollar aus schmutzigen Geschäften gewaschen. Geld von Menschenhändlern, Betrügern und Waffendealern wird also in den Wirtschaftskreislauf eingespeist. So können gesuchte Mafiosi, sanktionierte Oligarchen und andere fragwürdige Gestalten das Geld ausgeben für Dinge wie Schmuck, Autos oder Immobilien. Zu den Folgen gehören auch steigende Immobilienpreise, steigende Mieten aber vor allem: ein fortbestehender Anreiz für Verbrechen.

Eigentlich gibt es ein Kontrollsystem, das dies verhindern soll. Und dieses System funktionierte auch ganz gut, das machten viele Banker und Politiker die Öffentlichkeit jahrelang glauben. Unabhängig überprüfen ließ sich dies nur schwer; die Einblicke waren minimal. Bis jetzt.

Denn vor einiger Zeit wurden Reportern des US-Onlinemediums Buzzfeed News geheime Unterlagen aus einer US-Kontrollbehörde mit dem sperrigen Namen Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) zugespielt. Sie zeigen, dass Geldwäscher oft viel zu leichtes Spiel haben, weil das Sicherheitsnetz voller Schlupflöcher und Fehler ist: Die Banken sind nachlässig, die Behörden überfordert und die Politik zu langsam um auf immer neue Tricks und Schliche von Verbrechern mit entsprechenden Gesetzen zu reagieren. Und so sehen sie bisweilen tatenlos, wie Mafios, Despoten und andere Kriminelle jedes Jahr Hunderte Milliarden Dollar verschieben.

Buzzfeed News hat die geleakten Unterlagen mit dem International Consortium of Investigative Journalists und 108 Partnern, darunter in Deutschland auch der Süddeutschen Zeitung, geteilt und in einer monatelangen Recherche gemeinsam ausgewertet. Das Ergebnis sind die FinCEN-Files.

© SZ vom 28.09.2020
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