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Fernbusse:Rollendes Risiko

Hoher Preis für billige Fahrkarten: Die EU will die Sicherheitsvorgaben für Busfahrer aufzuweichen.

Von Markus Balser

Seit fünf Jahren tobt nun schon der Wettbewerb auf dem deutschen Fernbusmarkt. Millionen Reisende nutzen seit der Liberalisierung die neuen Fernbuslinien statt Bahnen und Flugzeugen. Einfach, weil es oft günstiger ist. Doch längst ist klar, dass Billigtickets teils teuer erkauft sind. Denn die harte Konkurrenz geht auch zulasten von Fahrern und Sicherheit. Kontrollen zeigen, dass Lenk- und Ruhezeiten immer wieder missachtet werden.

Doch statt die Kontrollen und Vorgaben zu verschärfen, planen EU-Parlamentarier nun einen Angriff auf die Verkehrssicherheit. Mit Reformvorschlägen für das sogenannte EU-Mobilitätspaket könnten Vorgaben für Lenk- und Ruhezeiten bei internationalen Fahrten aufgeweicht werden. Übermüdung und Unaufmerksamkeit wären ständige Begleiter im Cockpit - und das auf immer volleren Straßen.

Kaum beruhigen dürfte es Passagiere, wenn ihre Fahrer in Zukunft mit Dumpinglöhnen von 300 Euro abgespeist werden können. Gewerkschaften warnen bereits davor, dass die Branche bald vor allem aus Briefkastenfirmen bestehen könnte. Die Tickets würden wahrscheinlich noch billiger. Entstehen würde aber ein kaum noch zu kontrollierender Niedriglohnsektor, der auf Europas Straßen unterwegs wäre. Das wäre ein zu hoher Preis für billige Fahrkarten.

© SZ vom 03.07.2018

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