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EZB:Am Tropf der Zentralbank

Die EZB kauft zweifelhafte Firmenanleihen. Denn sie vertraut weder aufs Wachstum noch auf Reformen.

Um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, schöpft die Notenbank der Euro-Zone alle Mittel aus. Sie hat die Zinsen für Banken gesenkt. Sie kauft Staatsanleihen auf. Sie versucht, auf direktem Weg die Finanzierungskosten für Unternehmen zu senken, indem sie deren Anleihen aufkauft. Mit dem billigen Geld sollen die Konzerne investieren und produzieren. An diesem Montag hat die EZB erstmals ihre Einkaufsliste veröffentlicht.

Wenig überraschend ist, dass sich darauf deutsche Konzerne befinden. Die Europäische Zentralbank muss darauf achten, dass sie Firmenanleihen aus der gesamten Euro-Zone kauft. Wer sich die Liste anschaut, dürfte aber ins Zweifeln geraten, wie nachhaltig die Anleihen sind, die sich die Notenbank in den Tresor legt; und ob sie mit dem billigen Geld Unternehmen künstlich am Leben hält, die kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr haben. Wie der Energieversorger RWE, der über den Ausstieg aus Atom und Kohle ins Trudeln geraten ist. Oder Volkswagen, dessen Dieselsparte vor dem Aus steht.

Die Notenbank kennt die Risiken ihrer Firmen-Investments. Dass sie diese dennoch eingeht, zeigt, dass sie dem aufkeimenden Wachstum in Europa nicht traut. Sie verlässt sich auch nicht darauf, dass die Regierungen der Euro-Zone endlich verschleppte Reformen angehen. So bleibt die Geldpolitik das einzige Mittel, die Euro-Zone am Leben zu erhalten.