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Ex-US-Geheimdienstmitarbeiter auf der Flucht:Snowden erhält vorerst keinen isländischen Pass

Besonders auf Island hatte Snowden gesetzt. Der kleine Inselstaat gilt als Verfechter eines freien Internets. Doch das Parlament will vor der Sommerpause nicht mehr über eine mögliche Staatsbürgerschaft abstimmen. Snowden will es nun in sechs weiteren Ländern versuchen.

Neuer Rückschlag für den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden: Das isländische Parlament ist in die Sommerpause gegangen, ohne sich mit seinem Antrag auf Einbürgerung zu beschäftigen. Es habe keine Mehrheit gegeben, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, sagte die Oppositionsabgeordnete Birgitta Jonsdottir. "Wir konnten noch nicht einmal darüber abstimmen."

Das Parlament in Reykjavik tritt erst wieder im September zusammen - vorher können die Abgeordneten Snowden nicht mehr die isländische Staatsbürgerschaft verleihen. Snowden soll sich weiter im Flughafen von Moskau aufhalten. Er hatte geheime Informationen über Abhörprogramme der USA enthüllt. Die amerikanische Regierung fordert seine Auslieferung, sein Reisepass wurde für ungültig erklärt.

Zwar hat Island den Ruf, sich für ein freies und offenes Internet einzusetzen. Allerdings dürfte die kürzlich gewählte Mitte-Rechts-Regierung deutlich weniger bereit sein, einen diplomatischen Streit mit den USA loszutreten.

Ein isländischer Sprecher der Enthüllungs-Website Wikileaks, Kristinn Hrafnsson, zeigte sich enttäuscht. Er sei nicht zuversichtlich, dass die Regierung "mutige und entschlossene Schritte" unternehmen werde, um Snowden zu helfen.

Snowden hat mehrere Staaten um Asyl gebeten, darunter auch Deutschland. Die Bundesregierung hatte allerdings erklärt, dass er sich dafür zuerst auf deutschem Staatsgebiet aufhalten müsse - und das Gesuch abgelehnt.

Wie nun bekannt wurde, hat Snowden bei weiteren sechs Ländern Asyl beantragt. Das berichtete die Enthüllungsplattform Wikileaks über Twitter. Um welche Staaten es sich dabei genau handele, wolle man aber nicht sagen, um eine mögliche Einflussnahme der USA zu verhindern.

© Reuters/dpa/bero/olkl

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