EU-Sanktionen gegen Iran:Druck in die falsche Richtung

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Welche Auswirkungen die geplanten EU-Sanktionen gegen Iran haben werden, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Die bisherigen Handelsbeschränkungen hatten unterschiedliche Folgen, nur ihren eigentlichen Zweck haben sie nie erreicht: Teherans Atom-Ausbau zu stoppen. Der Druck von außen scheint die Regierung im Innern vielmehr zu stärken.

Rudolph Chimelli

Boykott und Embargo, die zwei Seiten der Erdölwaffe, können unerwartete Folgen haben. Wenn die Iraner ihre Absicht verwirklichen, als Repressalie auf die jüngsten Sanktionen keinen Tropfen mehr an Europa zu liefern, dann wird dies nicht gerade zu autofreien Sonntagen und zu Geschwindigkeitsbeschränkungen führen wie während des ersten Erdölschocks im Jahre 1973.

Doch damals stieg der Ölpreis rasch von drei auf zwölf Dollar pro Fass, dann auf 38 Dollar beim zweiten Schock sechs Jahre später. Jetzt steht er bei 110 Dollar.

Leider lässt sich den Entscheidungsträgern der EU nach den Erfahrungen mit der Euro-Krise nicht bescheinigen, dass sie die wirtschaftlichen Konsequenzen ihrer Entschlüsse zuverlässig im Griff hätten. Jede weitere Eskalation des Streits mit Teheran kann teuer werden.

Öl ist wie Blut ein besonderer Saft. Wohin es fließt, wer daran verdient und wer eventuell an Entzugserscheinungen erkrankt, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen.

Sanktionen gegen Iran sind nichts Neues. Sie werden seit vielen Jahren praktiziert und haben sogar einiges bewirkt. Weil ihre Umgehung Geld kostet, sind Importe teurer geworden. Die Europäer, voran die Deutschen, einst die wichtigsten Handelspartner des Landes, sind hinter die Asiaten zurückgefallen.

Die Preise in der Islamischen Republik steigen, die Arbeitslosigkeit auch, und die Währung verfällt. Nur ihren vorgeblichen Hauptzweck haben die Sanktionen nie erreicht: Vom Ausbau ihres Atom-Potentials lassen die Iraner nicht ab. Jüngste Umfragen zeigen, dass der Druck von außen gerade auf diesem Gebiet dem Regime sogar mehr Ansehen beim Volk einbringt.

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