Emmanuel Macron Europäer in Berlin

Der Präsidentschaftskandidat macht EU-Freunden Hoffnung.

Von Stefan Ulrich

Könnte sich die Bundesregierung einen französischen Präsidenten backen, sähe er wohl so aus: reformeifrig, dynamisch, regierungserfahren, wirtschaftsfreundlich, aber mit sozialem Gewissen, proeuropäisch, aufgeschlossen gegenüber Deutschland und ein Verteidiger Merkel'scher Flüchtlingspolitik. Die gute Nachricht lautet, dass so ein Politiker in Frankreich existiert. Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat dies am Dienstagabend in einer Rede in Berlin demonstriert. Er sagte: "Ich will viel mehr Europa, und ich will es mit Deutschland."

Als Präsident werde er sich dafür einsetzen, den Euro zu stärken und die EU zu festigen, etwa durch eine europäische Verteidigung, versprach Macron. Er wolle in Frankreich den Arbeitsmarkt reformieren und sparsam haushalten. Im Gegenzug fordert der frühere Wirtschaftsminister mehr deutsche Investitionen - ein Geschäft, auf das Berlin eingehen sollte.

Rettung ist also möglich; gemeinsam könnten Berlin und Paris Europa heilen. Nur, und das ist die schlechte Nachricht, Macron liegt in Umfragen zur Präsidentschaftswahl erst auf Platz drei, hinter der radikalen Marine Le Pen und dem konservativen François Fillon. Sollte er es jedoch in die Stichwahl schaffen, würde er Le Pen oder Fillon schlagen. Macron könnte es also schaffen. Es wäre ja auch an der Zeit, dass eine Wahl im Westen mal wieder eine positive Überraschung bringt.