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Dienstpflicht:Ein Anti-Egoismus-Jahr

Ein soziales Pflichtjahr ist nicht herkömmlich. Bekömmlich wäre es schon.

Von Heribert Prantl

Nein, es ist dies nicht die Neuauflage des Reichsarbeitsdienstes. Das soziale Pflichtjahr für alle ist etwas ganz anderes, es ist ein Beitrag für eine starke Demokratie. Warum? Demokratie ist eine Gemeinschaft, die ihre Zukunft miteinander gestaltet. Dafür braucht man Menschen, nicht Narzissten. Man braucht Menschen, die wissen und erfahren haben, dass es eine Gesellschaft gibt und dass für deren Nöte nicht ein abstrakter Staat, sondern eine konkrete Gemeinschaft zuständig ist. Ein soziales Pflichtjahr tut den jungen Menschen gut, es tut dem Gemeinwesen gut, es tut dem Land gut. Es ist der Einstieg in die soziale Wirklichkeit, es ist ein soziales Erfahrungsjahr.

Die wirtschaftlichen Gegenargumente, die von Vergeudung von Lebenszeit fabulieren, kennt man schon. Solches Reden hat dazu geführt, dass die Schulzeit verkürzt und das Studium verschult wurde. So hat man den Egoismus gezüchtet. Das Pflichtjahr ist ein Anti-Egoismus-Jahr.

Die juristischen Gegner des Pflichtjahrs verweisen auf Artikel 12 Grundgesetz, wonach zu einer bestimmten Arbeit niemand gezwungen werden darf, außer im Rahmen einer herkömmlichen Dienstleistungspflicht für alle. Man wird das Wort "herkömmlich" streichen müssen. Ein soziales Pflichtjahr ist zwar bisher nicht herkömmlich, dafür aber ist es sehr bekömmlich.

© SZ vom 07.08.2018
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